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Sog. Gruppe von S. Ildefonso

Madrid, Prado
Marmor
Höhe: 1,51 m

Die Marmorgruppe zweier nackter Jünglinge befand sich seit dem 17. Jahrhundert im Besitz der Adelsfamilie Ludovisi in Rom. Die Behauptung, sie sei im Park der Ludovisi auf dem Gelände der antiken Gärten des SallustGaius Sallustius Crispus (86-34 v. Chr.), römischer Politiker und Historiker; heftiger Kritiker der Sittenverderbnis seiner Zeit gefunden worden, lässt sich allerdings nicht belegen. 1724 wurde sie an König Philipp V. von Spanien verkauft. Er ließ sie im Landschloss von San Ildefonso bei Madrid aufstellen, was ihr den archäologischen Rufnamen "Gruppe von San Ildefonso" eintrug. Heute befindet sie sich im Prado in Madrid.

Die Gruppe ist ein Musterbeispiel für den eklektischenauswählend, aus verschiedenen Vorlagen einzelne Elemente herausgreifend und zu einem neuen Ganzen zusammenfügend Geschmack, wie er besonders in der Zeit des Augustuserster römischer princeps und Begründer der julisch-claudischen Dynastie (geb. 63 v. Chr., gest. 14 n. Chr.); Geburtsname Gaius Octavius, genannt Octavianus, seit 27 v. Chr. offizieller Name Imperator Caesar Augustus; in zweiter Ehe verheiratet mit Livia Drusilla bei der römischen Oberschicht im Schwange war. Aus dem reichen Fundus von sechs Jahrhunderten griechischer Bildhauerkunst wurden als vorbildlich erachtete Formen gezielt ausgewählt und zu höchst artifiziellenkünstlich neuen Gebilden zusammengesetzt.

Für den Knaben mit der Fackel wurden verschiedene Werke des in augusteischer ZeitZeit der Alleinherrschaft des Augustus (31 bzw. 27 v. Chr. - 14 n. Chr.); Epoche der Neuorganisation des römischen Staates als scheinbar wiederhergestellter Republik nach jahrzehntelangem Bürgerkrieg, geprägt durch Politik des Friedens und inneren Ausgleichs, Rückbesinnung auf 'altrömische' Werte und klassizistischen Kunstgeschmack besonders verehrten Bildhauers Polyklet aus dem 5. Jahrhundert vor Christus herangezogen. Sein Begleiter hingegen ist einer bekannten Statue des berühmten Bildhauers Praxitelesathenischer Bildhauer, tätig etwa von 370 bis 320 v. Chr., berühmt für seine Götterbilder aus Marmor aus dem 4. Jahrhundert vor Christus, dem Apollon SauroktonosApollon als Eidechsentöter; Bronzestatue des Praxiteles, um 350 v. Chr., nachgebildet. Das kleine Standbild einer Göttin wiederum soll dadurch als besonders altertümlich und heilig erscheinen, dass es die streng symmetrische Faltenanordnung archaischeralt, altertümlich; Epochenname für die von ca. 700-500 dauernde Phase der griechischen Kulturgeschichte Statuen des 6. Jahrhunderts vor Christus zitiert.

Hellenistischer den Hellenismus (=Kulturepoche von Alexander dem Gr. bis Augustus) betreffend.bzw. zeitgenössisch augusteischer Gestaltungsweise entspricht das vierte Element der Komposition, der kleine, girlandengeschmückte Altar zwischen den beiden Figuren.

Eine weitere Steigerung erfuhr der eklektische Charakter der Komposition, als der Kopf des praxitelischen Jünglings durch ein Porträt des AntinoosLiebling des Kaisers Hadrian, mit 20 Jahren im Nil ertrunken (130 n. Chr.) und nach seinem Tode kultisch verehrt, des Lieblings des Kaisers Hadrianrömischer Kaiser, geb. 76 n. Chr. in Italica (Spanien), reg. 117-138; großer Verehrer der griechischen Kultur, ausgetauscht wurde. Es ist allerdings umstritten, ob der Antinooskopf schon in der Antike oder erst nach der Wiederentdeckung der Figurengruppe aufgesetzt wurde. Die sehr ähnlichen Kränze und das gleiche, unterlebensgroße Format der Köpfe deuten eher darauf hin, dass der Antinooskopf bereits in der Antike eigens für die Einfügung in die Gruppe geschaffen worden sein könnte.

Die Deutung der beiden lorbeerbekränzten Jünglinge ist bis heute umstritten. Vielleicht handelt es sich um die göttlichen Zwillinge Castor und Polluxgriech. Kastor und Polydeukes, Söhne des Zeus (daher 'Dioskuroi' genannt) und der Leda, Brüder der Helena; verehrt als Nothelfer, besonders der Seefahrer.