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Juno Ludovisi

Rom, Museo Nazionale Romano
Marmor
Höhe: 1,16 m

Der kolossaleweit überlebensgroß Frauenkopf wurde wohl in Rom gefunden und gelangte 1622 in die Sammlung Ludovisi. Vor allem im späten 18. Jahrhundert genoss er höchste Verehrung. Winckelmann, HerderJohann Gottfried von Herder (1744-1803), deutscher Dichter, Philosoph und Kunsttheoretiker, Goethe, Schiller, HumboldtWilhelm von Humboldt (1767-1835), preußischer Kulturpolitiker, Sprach- und Altertumsforscher und andere sahen in ihm den Inbegriff griechischer Idealität. Schon zuvor hatte sich die Auffassung durchgesetzt, es handle sich um ein Kultbild der HeraTochter des Kronos und der Rhea, Schwester und Gemahlin des Zeus, Schutzgöttin der Ehe, Hauptkultorte sind Samos und Argos (lateinisch Junoetruskisch-römische Göttin der Ehe und des Frauenlebens; später mit der griechischen Hera gleichgesetzt).

Die unpersönlich wirkenden Gesichtszüge, die Frisur mit Mittelscheitel und Korkenzieherlocken, das hohe palmettengeschmückte Diadem, vor allem aber das monumentale Format schienen für ein Götterbild zu sprechen. Seit dem späten 19. Jahrhundert mehrten sich jedoch die Stimmen, die in der Dargestellten eine historische Persönlichkeit aus der frühen römischen Kaiserzeit, eine Angehörige der julisch-claudischen Dynastieaus der Verbindung zwischen Octavian (julischer Abstammung) und Livia (claudischer Abstammung) hervorgegangenes Herrschergeschlecht; dazu gehörten Augustus, Tiberius, Caligula, Claudius und Nero. erblickten. Als wahrscheinlichste Kandidatin gilt heute Antonia MinorNichte des Augustus, Mutter des Kaisers Claudius (36 v. Chr.-37 n. Chr.), Mutter des Kaisers ClaudiusTiberius Claudius Nero Germanicus, vierter römischer Kaiser (geb. 10 v. Chr., reg. 41-54 n.Chr.) und Nichte des Augustuserster römischer princeps und Begründer der julisch-claudischen Dynastie (geb. 63 v. Chr., gest. 14 n. Chr.); Geburtsname Gaius Octavius, genannt Octavianus, seit 27 v. Chr. offizieller Name Imperator Caesar Augustus; in zweiter Ehe verheiratet mit Livia Drusilla. Vergleiche mit Münzbildern der Antonia stützen diese Identifizierung. Hinzu kommt ein sehr ähnlicher (jedoch nicht kolossaler) Kopf, der im Sommer 2003 bei Ausgrabungen auf der Insel PantelleriaInsel zwischen Sizilien und Tunesien, von den Phöniziern besiedelt, seit 217 v. Chr. römisch, antiker Name Kóssyra/Cossura südwestlich von Sizilien entdeckt wurde.