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Venezianer Tetrarchen

Venedig, Basilica di San Marco
Porphyr
Höhe: 1,38 m

Die fast rundplastisch wirkenden Reliefs wurden um 300 n. Chr. in einer ägyptischen Werkstatt aus dunkelrotem Porphyr hergestellt. Dieses sehr schwer zu bearbeitende Gestein war damals wie die Farbe Purpur generell der kaiserlichen Repräsentation vorbehalten.

Dargestellt sind vier Kaiser aus der Zeit der Tetrarchie. Das System der Vierkaiserherrschaft war 284 n. Chr. von Kaiser Diokletian eingeführt worden. Jeweils zwei Kaiser (Augusti) und zwei Unterkaiser (Caesares) regierten gemeinsam das in vier Teile gegliederte Römische Reich, und zwar nicht auf Lebenszeit, sondern befristet. Nach jeweils zehn Jahren traten die Augusti ihr Amt an die Caesares ab und es wurden neue Caesares ernannt.

In keinem anderen uns erhaltenen Monument ist dieses vollkommen neuartige Herrschaftssystem so sinnfällig dargestellt worden wie in diesen Reliefs. Jeweils ein Augustus und ein Caesar umarmen sich zum Zeichen ihrer Eintracht. Die Einigkeit der vier wird außerdem durch die übereinstimmende Tracht und die gleichartige Stilisierung der Gesichter unterstrichen.

Gerade die ein wenig naiv wirkende Darstellungsweise lässt die beabsichtigte Aussage besonders klar zum Ausdruck kommen. Die politische Dezentralisierung unter den Tetrarchen führte offenbar auch zu einem neuen stilistischen Pluralismus. Die bestimmende Rolle der kaiserlichen Werkstätten in der Hauptstadt Rom trat in den Hintergrund, provinzielle Werkstätten wie die der Porphyrreliefs konnten ihre eigenen Ausdrucksmittel entwickeln - Ausdrucksmittel, die den Bedürfnissen der Zeit oft viel besser entsprachen als der traditionelle Stil der Hofateliers.

Ursprünglich waren die 130 cm hohen Reliefs Teil von zwei mächtigen, ca. 7 Meter hohen Porphyrsäulen, die auf einem öffentlichen Platz in der Reichshauptstadt Konstantinopel standen. Im Gefolge der Plünderung der Stadt durch die Kreuzritter 1204 gelangten sie nach Venedig und wurden dort bereits im 13. Jh. an der Südwestecke der Schatzkammer von S. Marco verbaut, wo sie sich noch heute befinden. Nur der fehlende Fuß eines Tetrarchen blieb in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, zurück und hat sich dort ebenfalls bis jetzt erhalten.