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sog. Tellus-Relief der Ara Pacis

Rom, am Bau
Marmor
Höhe: 1,61 m

Die marmorne Umfassungsmauer der Ara Pacis, des Friedensaltars, den der römische Senat anlässlich der Rückkehr des Augustuserster römischer princeps und Begründer der julisch-claudischen Dynastie (geb. 63 v. Chr., gest. 14 n. Chr.); Geburtsname Gaius Octavius, genannt Octavianus, seit 27 v. Chr. offizieller Name Imperator Caesar Augustus; in zweiter Ehe verheiratet mit Livia Drusilla aus Spanien zwischen 13 und 9 vor Christus auf dem Marsfeld in Rom errichten ließ, ist auf den beiden Eingangsseiten mit je zwei mythologischen Reliefbildern geschmückt. Das am besten erhaltene Relief zeigt eine majestätische Frauengestalt, die in einer felsigen, aber wasserreichen und fruchtbaren Landschaft thront. Auf ihrem Schoß sitzen zwei Kleinkinder, zwischen denen verschiedene Früchte ausgebreitet sind. Die Frau hat ihr Manteltuch wie einen Schleier über den Kopf gezogen. Darunter erkennt man im Haar einen üppigen Früchtekranz. Das Untergewand ist von der rechten Schulter herabgeglitten. Der Bauchnabel und der Busen, zu dem eines der Knäblein emporstrebt, zeichnen sich unter dem dünnen Stoff deutlich ab.

Im Hintergrund sprießen Getreide, Mohnkapseln und Blumen aus dem Felsen empor, im Vordergrund lagert − verkleinert wiedergegeben − ein Rind und weidet ein Schaf.

Seitlich der Mittelgruppe sind, symmetrisch und ebenfalls in etwas kleinerem Maßstab, zwei auf Tieren sitzende junge Frauen angeordnet. Ihre Oberkörper sind nackt, ihre Mäntel blähen sich über ihnen bogenförmig wie Segel im Winde. Die linke Frau reitet auf einem großen Schwan. Sie ist umgeben von Schilf und anderen Uferpflanzen, darin ein kleiner Reiher und eine liegende Kanne, aus der sich ein Wasserstrahl ergießt. Die rechte Frau hingegen reitet auf einem Seeungeheuer (griech. Ketos) über Meereswogen.

Die Hauptfigur wird meist als Tellus-Italia gedeutet, Verkörperung der fruchtbaren, lebensspendenden Erde im allgemeinen und Italiens im besonderen. Die beiden Mädchen sind Aurae, Personifikationen der milden, wohltuenden Winde zu Lande (links) und über dem Meer (rechts). Das Bild als ganzes symbolisiert die Segnungen des saeculum aureum, des durch Augustus auf die Erde zurückgebrachten Goldenen Zeitalters. Dessen Grundlage bildet die Pax Augusta, der durch Augustus wiederhergestellte Weltfrieden, der Erde, Meer und Himmel erfüllt und dem die Ara Pacis gewidmet ist.

Die ausgewogene Komposition, die klassischeEpoche der griechischen Geschichte von den Perserkriegen bis zu Alexander dem Großen, ca. 490-330 v. Chr.; geprägt von der kulturellen und zeitweise auch politischen Vorherrschaft Athens und hellenistischeden Hellenismus (=Kulturepoche von Alexander dem Gr. bis Augustus) betreffend. Vorlagen zu einer neuen Einheit verschmilzt, und die erstklassige Bildhauerarbeit machen das Tellus-Relief zu einem beispielhaften Zeugnis der augusteischen Bildkunst.