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Parthenon, Ostgiebel, 'Tauschwestern'

London, Brit. Mus.
Marmor
Höhe: 1,22 m

Die Reihe der Götter, die im Ostgiebel des Parthenongrößter Tempel auf der Athener Akropolis, der Stadtgöttin Athena Parthénos (der "Jungfräulichen") geweiht, 447-432 v. Chr. unter Leitung der Architekten Iktinos und Kallikrates errichtet der Geburt der Athenain der griechischen Mythologie die Lieblingstochter des Zeus; sie entsprang mit Helm und Brustpanzer dem väterlichen Haupt, dem Sitz des göttlichen Denkens und weisen Rates. Sie förderte die sinnvolle Arbeit des Friedens; Kunst und Wissenschaft standen unter ihrem Schutz. Als jungfräuliche Kriegerin unterstützte sie den besonnenen Kampf. beiwohnten, endete im rechten Giebelzwickel mit einer Gruppe von drei weiblichen Gottheiten. Weiter außen befand sich nur noch die mit ihrem Viergespann in den Okeanos abtauchende Mondgöttin Selene.

Wegen ihrer Dreizahl wurden die Frauengestalten früher mitunter als Moiren oder als Aglauriden ("Tauschwestern") interpretiert. Wahrscheinlich waren es jedoch bedeutendere Göttinnen, die als Teilnehmerinnen an dem für Athenseit neolithischer Zeit kontinuierlich besiedelte Hauptstadt Griechenlands, bedeutend aufgrund der Entwicklung der Demokratie und der klassischen Bebauung der Akropolis im 5. Jh. v. Chr. so wichtigen Geschehen gezeigt werden sollten. In der links sitzenden Figur erkennt man heute meist Hestiagriechische Göttin des häuslichen Herdfeuers; lateinische Entsprechung Vesta, in der Gelagerten Aphroditegriechische Göttin der Schönheit, der Erotik und der weiblichen Fruchtbarkeit; römisch Venus und in der mittleren DioneMutter der Aphrodite, in manchen griech. Heiligtümern als Gemahlin des Zeus verehrt, die Mutter der Aphrodite, oder Artemisgriechische Göttin der Jagd und der wilden Natur, Tochter des Zeus und der Leto, Schwester des Apollon; Schutzgottheit der jungen Mädchen; römisch Diana.

Die lässig hingestreckte Haltung Aphrodites und das stellenweise fast durchsichtig erscheinende, von der Schulter herabgerutschte Gewand finden sich auch bei anderen Darstellungen der Liebesgöttin aus der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts v. Chr. Die Falten des hauchdünnen Stoffes umspielen in feinem Gesäusel die weiblichen Körperformen; der über den Felsen gebreitete Mantel zeigt am unteren Saum eine schönlinige, wellenförmige Bewegung. Was hier noch der Kennzeichnung einer bestimmten Gottheit dient, sollte sich unmittelbar nach Vollendung der Parthenonskulpturen zum allgemeinen Zeitstilgemeinsamer Stil der Werke aus einer Zeitepoche, im Gegensatz etwa zum Individualstil (Stil eines Künstlers) oder zum Regionalstil (Stil einer Gegend) verselbständigen: zur virtuosen, sinnlichen Formensprache des "Reichen Stilsim späten 5. Jahrhundert vor Christus besonders an attischen Skulpturen und Vasenbildern zu beobachtender Stil, gekennzeichnet durch Schmuckreichtum und schönlinige, z. T. fast ornamentale Zeichnung der Gewandfalten" im letzten Viertel des 5. Jahrhunderts.