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Sog. Barberinischer Faun

München, Glyptothek
Marmor
Höhe: 1,81 m

Ein Satyr, erkennbar an dem kleinen Schwänzchen im Rücken, an den spitzen Ohren und an dem Haarbüschel auf der Stirn, ist auf einem Felsen, über den er sein Pantherfell gebreitet hat, eingeschlafen. Die Beine hat er dabei weit gespreizt und den rechten Arm hinter dem zur Seite gesunkenen Kopf angewinkelt, während der linke Arm schlaff herabhängt. Den Mittelpunkt der weit sich öffnenden, in alle Richtungen ausstrahlenden Komposition bildet das Geschlecht des Satyrs. Auch dieses ist, anders als man es von diesen lustbetonten Naturwesen sonst kennt, ganz in Ruhe dargestellt. Die einzige Bewegung scheint sich in den angespannten Gesichtszügen des Schlafenden abzuspielen, hinter denen man unruhige Träume vermuten könnte. Der Efeukranz im Haar erinnert daran, dass der Satyr zum Gefolge des Weingottes Dionysosgriechischer Gott des Weines, der rauschhaften Entrückung und des üppigen Lebens, Sohn des Zeus und der Semele, nach dem Tod der Mutter von den Nymphen aufgezogen gehört und dass seinem bleiernen Schlaf vielleicht Trunkenheit und höchste körperliche Erregung vorausgegangen sind.

Das ungewöhnlich individuell gestaltete, derbe Gesicht und die überaus natürlich wirkende Körperhaltung machen den im späten 3. Jahrhundert vor Christus entstandenen 'Barberinischen Faun' zu einem der herausragenden Zeugnisse der hochhellenistischenmittlere Phase der hellenistischen Epoche, ca. 230-150 v. Chr. Plastik. Aufgrund der exzellenten Marmorarbeit wird er allgemein als ein Originalwerk, nicht als eine römische Kopie angesehen. Die schon 1494 in Rom bei der Engelsburgrunder Grabbau (Durchmesser 64 m) des Kaisers Hadrian (gest. 138 n. Chr.) am Tiberufer in Rom, seit dem Mittelalter unter dem Namen "Castel Sant'Angelo" (Engelsburg) zur päpstlichen Festung umgebaut entdeckte und dann in die Sammlung Barberini gelangte Skulptur wurde von Gian Lorenzo BerniniGian Lorenzo Bernini (1598-1680), Hauptmeister der römischen Barockskulptur, berühmt wegen seiner virtuosen Marmorbehandlung (David, Apollon und Daphne, Hl. Teresa); auch als Architekt bedeutend (Petersplatz in Rom) ergänzt, doch hat man diese Ergänzungen inzwischen bis auf das rechte Bein weitgehend wieder entfernt (diesen heutigen Zustand zeigt der Göttinger Abguss).