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Dornauszieher 'Castellani'

London, Brit. Mus.
Marmor
Höhe: 0,69 m

Ein nackter Knabe, wohl ein Hirtenjunge, hockt auf einem Felsen und versucht, sich einen Dorn aus dem über das rechte Knie gelegten linken Fuß zu ziehen. Ganz durch diese Operation in Anspruch genommen, beugt er seinen kindlich großen Kopf mit dem kurz geschnittenen Haar und den etwas derb wirkenden Gesichtszügen weit hinab, so dass der Rücken sich krümmt und am Bauch Quetschfalten entstehen.

Die realistische Formensprache entspricht dem Interesse an der Darstellung einfacher Hirten und Landleute, das im frerste Phase der hellenistischen Epoche, ca. 330-230 v. Chr., politisch geprägt durch die Kämpfe zwischen den Nachfolgern Alexanders des Großen aufkam. Die geschlossene, von rechten Winkeln bestimmte Komposition der Figur ist typisch für diese Phase.

Fast 200 Jahre später wurde das Thema von einem anderen Bilhauer wiederaufgegriffen und im Sinne des nun vorherrschenden klassizistischenauf die Epoche der Klassik als Vorbild und überzeitlichen Wertmaßstab zurückgreifend, den klassischen Stil nachahmend Kunstgeschmacks neu gestaltet (sogenannter kapitolinischer Dornauszieher).