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Olympia, Zeustempel, Westgiebel, Apollon

Olympia, Archäologisches Museum
Marmor
Höhe: 2,80 m

Im Westgiebel des Zeustempels von Olympia war der Kampf der Lapithen gegen die Kentaurenin der griechischen Mythologie wilde Waldbewohner mit Pferdeleib und menschlichem Oberkörper; der Kampf der Lapithen (nordgriech. Volk) gegen die Kentauren häufig dargestellt als Sinnbild der Auseinandersetzung zwischen Griechen und Barbaren bei der Hochzeit des Peirithoos dargestellt. Die meisten Figuren dieser reich bewegten Kampfdarstellung wurden bei den deutschen Ausgrabungen in Olympia seit 1875 wiedergefunden.

In der Mitte des Giebelfeldes stand, alle anderen Figuren weit überragend, der jugendliche Gott Apollongriechischer Gott, wahrscheinlich kleinasiatischer Herkunft; galt als Sohn des Zeus und der Leto, sowie als Zwillingsbruder der Artemis. Meist als strahlend schöner jugendlicher Gott dargestellt, als Jäger oder Kitharaspieler. Apoll vertritt Recht, Ordnung und Frieden, ihm untersteht u.a. das Orakel von Delphi.. Mit gebieterischer Geste streckt er den rechten Arm aus. In der gesenkten Linken hielt er vermutlich einen aus Bronze gearbeiteten Bogen. Die Kentauren hatten, indem sie sich an den Frauen der Lapithen vergriffen, ein nach griechischem Verständnis grundlegendes und heiliges Prinzip menschlichen Zusammenlebens, die Gastfreundschaft, grob verletzt. Durch sein Eingreifen stellt Apollon, der Gott des Rechts, die aus den Fugen geratene Ordnung wieder her. Die klaren, rechtwinkligen Achsen seines gerade aufgerichteten Körpers und seines waagerecht ausgestreckten Armes stehen in deutlichem Gegensatz zum heftig wogenden Kampfgetümmel um ihn herum. Die Grundaussage der Darstellung, der Widerstreit von Ordnung und Chaos, kommt in diesem Kontrast sinnfällig zum Ausdruck.

Wie ein festes Bauwerk ist der nackte Körper des Gottes aus großen, ruhigen Formen gefügt. Der Kopf ist entschieden zur Seite gewandt, der Blick folgt der Richtung des ausgestreckten Armes. Apollon trägt eine elegante Modefrisur mit kleinen Schneckenlocken über Stirn und Schläfen. Das Nackenhaar ist emporgekämmt und über einem Haarreifen eingeschlagen. Die großen Ohren sitzen sehr hoch und weit hinten. Die Formen des Gesichts sind so klar und ruhig wie möglich gestaltet. Kennzeichnend sind das schwere runde Kinn, die vollen, leicht geöffneten Lippen, die gerade Nase und die schmalen, von kräftigen Lidern gerahmten Augen. All dies macht den Apollon zu einem Musterbeispiel für die Formensprache des "Strengen Stils".

Erstaunlicherweise ist der Bereich des Hinterkopfes, der für die Betrachter des Giebels nicht sichtbar war, nur grob ausgearbeitet. Der Apollonkopf ist damit auch ein wichtiges Zeugnis für die griechische Bildhauertechnik des 5. Jahrhunderts v. Chr.