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Kalbträger

Athen, Akropolismuseum
Marmor
Höhe: 1,03 m

Die Figur des Kalbträgers wurde bei den Ausgrabungen auf der Akropolis im sogenannten "Perserschutt" gefunden. Sie war dort bis zu ihrer Zerstörung als Weihgeschenk aufgestellt. Am Original sind noch Reste der für antike Skulpturen üblichen Bemalung zu erkennen. Durch eine auf der Basis angebracht Inschrift ist auch der Stifter bekannt: Rhombos hat es geweiht, Sohn des Palos.

Die kostbare Weihung zeigt an, dass es sich bei diesem Stifter um einen reichen Angehörigen des athenischen Adels gehandelt haben muss, der die Statue eines Opferträgers auf die Akropolis weihte. Obwohl die Figur in vielen Zügen dem allgemein gültigen Schema des KurosKuros: wörtlich "Jüngling", archäologischer Fachausdruck für den in der Skulptur des 6. Jhs. v. Chr. sehr verbreiteten Statuentypus des stehenden nackten jungen Mannes folgt, weist sie einige Besonderheiten auf. Im Gegensatz zu den jugendlich und nackt dargestellten Kuroi ist der Kalbträger sowohl mit einem Mantel bekleidet, als auch durch einen Bart als erwachsener Mann gekennzeichnet. Die Augäpfel waren mit Glaspaste separat eingelegt und sind heute verloren. Anhand der Armhaltung und des Motivs wird der Unterschied besonders deutlich, da bei den Kuroi immer beide Arme am Oberschenkel anliegen. Das Motiv des Opferträgers stammt aus dem Nahen Osten und findet sich bereits in früherer Zeit in der griechischen Kleinplastik in Form von Statuetten. Es kann heute nicht mehr entschieden werden, ob in der Figur das Idealbild eines Opfernden oder der opfernde Stifter selbst zu sehen ist. In beiden Fällen ist aber mit der Figur des Kalbträgers ein Idealbild des athenischen Adels um 570−60 v. Chr. geprägt worden.