Der Kerameikos von Athen

Klassische Gräberstraße im Kerameikos
Im Nordwesten des antiken Athen, am Ufer des Flüsschens Eridanos, lag das Töpferviertel Kerameikos (von griech. kéramos = Ton). Außerhalb der Stadtmauer, vor dem großen Doppeltor (Dipylon) erstreckte sich hier der wichtigste Friedhof der Stadt. Dieser wurde in den vergangenen hundert Jahren ausgegraben und als Archäologischer Park hergerichtet.


Plan des Kerameikos in archaischer Zeit. Die großen Grabhügel sind deutlich sichtbar.
Schon um 1200 v. Chr. in der sogenannten Submykenischen Epoche, entstand hier ein ausgedehnter Bestattungsplatz. Für die Geometrische Zeit (900-700 v. Chr.) ist der Kerameikos einer der wichtigsten Fundorte überhaupt. Führende Adelsfamilien errichteten damals Grabhügel, die von riesigen (bis zu 150 cm hohen) Tonvasen mit feinmaschigem 'geometrischen' Dekor bekrönt wurden. Von der sozialen Aufwertung breiterer Bevölkerungskreise zeugt eine große Zahl durchschnittlich ausgestatteter Gräber des späten 8. Jhs. v. Chr. Vom Wettbewerb zwischen den aristokratischen Familien zeugen mächtige runde Grabhügel (Tumuli) aus archaischer Zeit. Auf und neben ihnen standen u. a. marmorne Grabstatuen wie der 2002 entdeckte Dipylonkouros.

Der im Frühjahr 2002 im Kerameikos entdeckte 'Kuros vom Heiligen Tor'
Im 5. Jh. werden die Tumuli abgelöst durch ein dichtes Netz kleinerer Familiengrabbezirke entlang der beiden nordwestlich aus der Stadt herausführenden Straßen, der Heiligen Straße nach Eleusis und dem sog. Dromos zum Hain des Heros Akademos, wo Platon im 4. Jh. seine berühmte Akademie einrichtete. Am Dromos lag auch das offizielle Staatsgrab (Demosion Sema) für die athenischen Kriegsgefallenen. Die Grabbezirke waren durch hohe Terrassenmauern zur Straße hin abgegrenzt, über denen sich Marmorgrabmäler unterschiedlichen Typs erhoben. Neben steinernen Grabvasen waren figürlich verzierte Reliefstelen besonders beliebt, auf denen verschiedene Familienmitglieder in einträchtigem Miteinander gezeigt sind. Diese Reliefs haben sich zu Tausenden erhalten. Die Reihe endet abrupt im späten 4. Jh. v. Chr., als der makedonische Statthalter Demetrios von Phaleron ein 'Gräberluxusgesetz' erließ, das nur noch sehr schlichte Grabmalformen gestattete.