Kaiserporträts der severischen Dynastie (193-235 n. Chr.)
 
 
 
Mit dem Sturz des Commodus war das Ansehen der antoninischen Kaiser insgesamt nicht erschüttert worden. Die Konkurrenten um die Kaiserwürde bemühten sich, sich als würdige Nachfolger der guten Kaiser des 2. Jahrhunderts n.Chr. zu präsentieren. Dazu gehörte die Angleichung der Bildnisse, besonders an das Bildnis des Marc Aurel. Septimius Severus, der in den Nachfolgekämpfen Sieger wurde, propagierte eine fiktive Verwandtschaft mit den Antoninen und ließ sich und seine Söhne in der Art antoninischer Kaiser− und Prinzenbildnisse darstellen. Sein Sohn und Nachfolger Caracalla entfernte sich während der Zeit seiner Alleinherrschaft von diesem Modell; kurze Haare und eine energische Mimik sind Charakteristika seines Bildnisses. Doch auch Macrinus, der nach dem Sturz Caracallas kurzzeitig an die Macht kam, sah die Notwendigkeit, sich und sein Bildnis in die antoninische Tradition zu stellen. Die jungen Kaiser Elagabal und Alexander Severus, die wieder aus der severischen Familie stammten, folgten dem von Caracalla eingeschlagenen Weg einer Stilisierung mit extrem kurzem Haupthaar und keinem oder nur spärlichem Bart. Diese Mode sollte über die folgenden Jahrzehnte hinweg vorherrschend bleiben.