Pertinax, Didius Iulianus, Pescennius Niger, 193-194 n.Chr.
 
Nach der Ermordung des Commodus wurden drei kurzlebige Herrscher nacheinander ernannt, Pertinax und Didius Iulianus in Rom, Pescennius Niger in Antiochia. Während der kurzen Regierung von Pescennius Niger in Antiochia hatten sich schon Clodius Albinus und Septimius Severus zu einer gemeinsamen Regentschaft verbündet. Die Gestaltung der Porträts der Kaiser in dieser Übergangszeit spiegelt deutlich die unterschiedlichen Erwartungen von Zeitgenossen verschiedener Gruppen in dieser besonderen historischen Situation wider.
Pertinax (P. Helvius Pertinax) 31. Dez. 192 − 28. März 193 n.Chr.
Pertinax. Leiden
Die Gruppe von Militärs, die den Sturz des Commodus vorbereitet hatte, machte Pertinax zu seinem Nachfolger. Der 66jährige Pertinax, ursprünglich einfacher Herkunft, hatte eine glänzende Ämterlaufbahn hinter sich und war einer der bewährten Generäle des Marc Aurel aus den Markomannenkriegen. Er genoss das hohe Ansehen des Kreises um Marc Aurel und war zugleich durch eigene militärische und administrative Verdienste legitimiert. Pertinax konnte angeblich den Praetorianern die versprochenen hohen Donative nicht auszahlen und wurde deshalb von ihnen umgebracht. Als Septimius Severus drei Monate später Herr über Rom wurde, ließ er Pertinax konsekrieren und nahm die Bezeichnung Pertinax in seinen Namen auf.
Das Porträt des Pertinax ist in zwei Repliken desselben Typus erhalten. Das qualitativ bessere Exemplar befindet sich in Leiden. Pertinax erscheint in seinen Porträts mit dem üblichen langen Vollbart, hat aber als erster Kaiser seit vielen Jahrzehnten kurzgeschnittenes Haar. Es ist nicht mit dem Bohrer aufgelockert und muss flach anliegend gedacht sein. Deutliche Nasolabialfalten, Tränensäcke und eine tief zerfurchte und zugleich angespannte Stirn kennzeichnen den Kaiser als alten, aber zu energischem Einsatz fähigen Mann. Die Münzbildnisse lassen eine gebrochene Nase vermuten.
Solch betonte Einfachheit und ungeschönte Alterskennzeichnung hatte man in Rom seit Vespasian und Nerva bei keinem Kaiser mehr gesehen. Die dahinterstehende Haltung ging auf den Kreis der Generäle der Markomannenkriege zurück. Der Arzt Galen, der zu jener Zeit lebte, berichtet, dass die Umgebung des Marc Aurel sich bei einer schweren Seuche aus hygienischen Gründen das Haar kurz scheren ließ. Pompeianus, der führende Feldherr und ständige Berater des Marc Aurel, hatte diese Tracht aber auch später beibehalten. Pompeianus war auch Schwiegersohn des Kaisers und erscheint auf den Reliefs eines Triumphbogens aus den siebziger Jahren des 2. Jahrhunderts n.Chr. ständig neben ihm. Seine offiziellen Porträts zeigen ihn mit kurzem Haar und Bart und deutlichen Alterszügen. Nach dem Tod des Commodus war dem hochverehrten Pompeianus die Kaiserwürde angeboten worden, doch er hatte aus Altersgründen abgelehnt. Pertinax gehörte zu seinem Kreis. Das Porträt war offenbar ein Gegenprogramm zu der so lange gepflegten überfeinerten Erscheinungsbild der Antoninenzeit, das durch die Erfordernisse einer neuen, problembeladenen Zeit zumindest zweifelhaft geworden war. Commodus hatte es zusätzlich in Misskredit gebracht.
Manche Äußerungen der antiken Historiker passen so gut zu Pertinax' Porträt, dass sie tatsächlich das von ihm gewünschte Image wiedergeben könnten. Der Zeitgenosse Herodian (2,2,7) charakterisiert ihn folgendermaßen: ein Mann in ehrwürdigem Alter, von vernünftiger Lebensweise, "aretes de tes en ergois empeiron ... und ausgewiesen durch Tatkraft und Leistungen." Und die spätantike Historia Augusta (Pert. 13) schreibt: Die kaiserliche Stellung missfiel ihm und er machte das immer wieder klar. "Denique non alium se, quam fuerat, videri volebat: − Und schließlich wollte er nicht anders gesehen werden, als er vorher gewesen war."
Didius Julianus (Didius Severus Iulianus) 28. März − 1.Juni 193 n.Chr.
Didius Julianus
Nach dem Bericht des Augenzeugen Cassius Dio (74,11,4) haben die Praetorianer nach der Ermordung des Pertinax die Kaiserwürde regelrecht an denjenigen versteigert, der ihnen die größten Donative bot. Didius Julianus, der Sieger, war 60 Jahre alt, stammte aus vornehmer Familie und hatte ebenfalls eine respektable Ämterkarriere hinter sich. Er wurde vom Senat in seinem Amt bestätigt. Als Kaiser suchte er Anschluss an die Tradition des Commodus, indem er dessen Andenken wiederherstellte, seine Bildnisse wiedererrichtete und zwei der Hauptverschwörer hinrichten ließ. Während Didius Julianus in Rom Kaiser war, wurden Septimius Severus in Illyricum und Pescennius Niger in Syrien von ihren Truppen zu Kaisern ausgerufen. Septimius Severus marschierte auf Rom, Didius Julianus versuchte erfolglos zu verhandeln und wurde angeblich auf Veranlassung des Senats beseitigt.
In seinem Porträt suchte Didius Julianus offenbar Anschluss an die Tradition der Antoninen und des Commodus. Es ist nur durch Münzbilder überliefert. Man erkennt aber deutlich die in der Art des Commodus gelängte Kopfform, eine feine Nase, nur wenige Falten auf der Stirn, die antoninische Lockenfrisur und einen Bart, dessen Umriss sauber gestutzt ist und dessen Locken fein gestrählt sind − ebenfalls wie bei den Antoninen.
Pescennius Niger (L.Pescennius Niger) 193−194 n.Chr.
Pescennius Niger. Präg. Antiochia 193/4
Pescennius Niger war ritterlicher Herkunft, zwischen 50 und 60 Jahren alt und nach einer ebenfalls respektablen Karriere Statthalter in Syrien, als er vom Heer zum Kaiser ausgerufen wurde. Pescennius hat Rom als Kaiser nie betreten. Der Senat erkannte ihn nicht an und erklärte ihn zum Staatsfeind. Pescennius dehnte seinen Machtbereich von Antiochia bis Thrakien aus. Schließlich rückte Septimius Severus gegen ihn vor, Pescennius wurde gefangengenommen und getötet.
Auch das Porträt des Pescennius Niger ist nur durch Münzen bekannt, die in der Münzstätte seiner Residenzstadt Antiochia geprägt wurden. Danach trug Pescennius das Haar radikal kurz geschoren und dazu einen struppigen Bart. Die Züge wirken etwas derb, tiefe Falten durchziehen die Wangen. Die Augen treten vor, Tränensäcke deuten sich an, die Stirn wirkt zusammengezogen. Pescennius trat bei seiner Erhebung durch das Heer als Gegenkandidat zu Didius Julianus auf. Sein Porträt sollte offensichtlich ganz ähnliche Wertvorstellungen vermitteln wie das des Pertinax, also etwa Einfachheit und militärische Tatkraft. Zeitgenossen berichten von dem Eindruck, er habe dem Beispiel des Pertinax nachstreben wollen (Herodian 2,7,5). Vielleicht sollte sein Porträt in der Tat so verstanden werden.
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Porträts des Pertinax, Didius Iulianus und Pescennius Niger