Commodus (Lucius Aurelius Commodus) 180 - 192 n. Chr.
 
Commodus, Typus 7. Slg. Wallmoden (Göttingen)
Commodus, geboren 161 n.Chr. bei Lanuvium, ist der einzige römische Kaiser, der als Sohn eines regierenden Kaisers zur Welt kam, er war also "im Purpur geboren". Mit ihm endet die Phase der Adoptivkaiser. Commodus war von Anfang an von seinem Vater Marc Aurel zum Thronfolger bestimmt, wie die sich steigernden Formen der Hervorhebung des Prinzen durch Titulatur und amtliche Würden belegen: 166 n.Chr. Titel eines Caesar, 175 n.Chr. princeps iuventutis, 176 n.Chr. Beiname Germanicus, seit 177 n.Chr. förmlicher Mitherrscher mit dem Titel eines Augustus und pater patriae (also mit 16 Jahren); nach dem Tod Marc Aurels 180 n.Chr. war er Alleinherrscher.
Commodus beendete die Kriege an der Donau durch Friedensschlüsse und griff nicht mehr selbst in die außenpolitischen Unruhen seiner Zeit ein. In der Überlieferung tritt Commodus als einer der Herrscher hervor, die der konfliktträchtigen Rolle des princeps als eines Monarchen, der dies nur bedingt sein darf, nicht gewachsen war und zu übertriebenen Formen der Selbstinszenierung griff. Als Exponent einer Epoche mit vertieften Bildungsansprüchen bediente er sich dabei alter Methoden. Er rief wieder einmal das Goldene Zeitalter aus, gründete Rom gleichsam neu und ließ sich mit größerer Intensität als alle anderen römischen Kaiser in theomorphen Bildern feiern. Am Schluss schlüpfte er in die Rolle des Hercules und trat zugleich öffentlich als Gladiator auf. Misswirtschaft und Willkür brachten ihm wie Nero das Ende.
Es haben sich bisher acht Bildnistypen des Commodus nachweisen lassen, davon vier aus der Regierungszeit des Marc Aurel. Ihre Chronologie beruht ausschließlich auf dem Vergleich mit den datierten Münzbildnissen.
Commodus, Typus 3. Rom, Musei Capitol.
Die beiden frühesten Typen hatten wohl mehr die Aufgabe, der Öffentlichkeit vorzuführen, dass der regierende Kaiser Marc Aurel einen leiblichen Erben hatte. Eine verstärkte Bildnispropaganda setzt erst mit dem Bildnistypus ein, der im Jahre 175 n.Chr. entstanden ist, und als dessen bester und vollständigster Vertreter eine Büste im Museo Capitolino angesehen werden kann. Die Physiognomie des Prinzen (hochgewölbte Brauen, vorquellende Augen mit herabhängenden Oberlidern, gebogene Nase, herabgezogene Mundwinkel) ähnelt der seines Vater und seiner Mutter (der jüngeren Faustina) und bekundet so die leibliche Abstammung vom Herrscherpaar. Das in feinste Strähnen zergliederte Haar bringt die porzellanhafte Glätte des Gesichts besonders zur Geltung.
Commodus, Typus 4. Liverpool/Tivoli
Schon zwei Jahre später ist der nächste (4.) Bildnistypus entstanden, der wohl aus Anlaß der Erhebung zum Samtherrscher geschaffen worden ist, hier vertreten durch eine Replik, deren oberer Teil bereits im 18. Jh. gefunden und in die Sammlung Ince Blundell Hall gelangt ist, deren unterer Teil dagegen erst im 20. Jh. in der Villa Hadriana ausgegraben worden ist.
Die Physiognomie wirkt etwas gereifter, ist der des vorausgehenden Bildnistypus jedoch sehr ähnlich. Das gekräuselte Haar erinnert an den 2. Bildnistypus des Marc Aurel. Diese Übereinstimmung ist wohl nicht zufällig: beide Male handelt es sich um die Darstellung eines bereits an der Herrschaft beteiligten Kronprinzen. Genau wie beim 2. Bildnistypus Marc Aurels ist auch an den Kopien des 4. Bildnistypus des Commodus zu beobachten, wie die Kopien nach dem zunächst bartlos konzipierten Urbild nach und nach mit einem Bart auf der Oberlippe und den Wangen ausgestattet werden. Dieser Typus wurde mit der Übernahme der Alleinherrschaft nach dem Tod Marc Aurels (17. März 180) zunächst beibehalten. Ein neuer, nun vollbärtiger Bildnistypus wurde erst im Herbst dieses Jahres herausgebracht, als Commodus von der germanischen Front nach Rom zurückkehrte und die (nicht abgeschlossene) Besiegung der Germanen in einem großen Triumph feierte.
Commodus, Typus 6. Vatikan
Commodus, Typus 7. Slg. Wallmoden (Göttingen)
Für die folgenden zwei Bildnistypen, hier Exemplare im Vatikan und in Göttingen, lassen sich konkrete Entstehungsdaten bisher nicht festmachen. Das liegt daran, dass sie keine programmatische Aussagen enthalten, sondern sich ganz auf den von Marc Aurel vorgezeichneten Bahnen bewegen: durch einen langen Bart erscheint Commodus seinem Vater so ähnlich, dass beider Bildnisse (zumal in schlechten Kopien) sich oft nur schwer unterscheiden lassen.
Commodus, Typus 8. Vatikan
Erst der letzte (8.) Bildnistypus bringt eine Neuerung: Bei gleich bleibender Physiognomie wird nun auf das üppig gekräuselte Kopfhaar ganz verzichtet; statt dessen ist das Haar ganz kurz geschnitten. Wieweit diese Neuerung mit der in Commodus letztem Lebensjahr (192 n.Chr.) vollzogenen Angleichung an Hercules zusammenhängt und wieweit sie Ausdruck neuer kollektiver Bedürfnisse ist, die kurz darauf zum generellen Durchsetzen der Kurzhaarmode führte, wird in der Forschung diskutiert.