Skulptur und Münzen
 
Porträts auf Münzen haben für die archäologische Forschung den Vorteil, dass sie in großen Mengen erhalten sind und dass sie in der Regel von Inschriften begleitet werden, die die Dargestellten benennen. Porträts in anderen Gattungen sind dagegen meist ohne Namensinschrift überliefert. Darum ist die Methode des Münzvergleichs ein vielversprechender Weg zur Identifikation namenlos erhaltener Porträts in anderen Gattungen.
 
Tyrannenmörder-Gruppe. Neapel, Mus. Naz.
Tyrannenmörder. Münze von Kyzikos
 
Es gibt Münzen, auf denen Porträtstatuen abgebildet sind. Ein Beispiel ist die Gruppe der Tyrannenmörder auf Münzen von Kyzikos (um 420 v.Chr.), die trotz des kleinen Münzformats eindeutig mit erhaltenen Statuen zu verbinden ist. Die Haltung und Aktion der Figuren sind so markant, dass die namenlos überlieferten römischen Kopien durch den Münzvergleich zweifelsfrei unter den zahlreich erhaltenen Skulpturen herausgefunden werden konnten. Münzbilder verhelfen auch zu einem Eindruck vom Aussehen ansonsten verlorener Porträtstatuen, z.B. von den in ihrer Zeit neuartigen Bildnissen Alexanders d. Gr.
 
 Sammlung  E-learning  Quellen  Literatur
   
 
In der Porträtforschung spielen allerdings nicht die Münzen mit Wiedergaben von Porträtstatuen eine Hauptrolle, sondern die mit Porträtköpfen und -büsten. Hellenistische Könige, führende Politiker der römischen Republik und römische Kaiser ließen seit hellenistischer Zeit Porträts auf Münzen prägen.
 
Die Überlieferung von Porträts und Münzen in Hellenismus und römischer Kaiserzeit ist so unterschiedlich, dass sie jeweils gesondert betrachtet werden muss:
 
Seleukos I von Syrien. Neapel, Mus. Naz.
Seleukos I
 
Das Phänomen von offiziellen und Münzporträts war in den Reichen der hellenistischen Herrscher zunächst noch neu, es gab keine einheitlichen Regeln. Zudem ist die Überlieferungslage schwierig: Nur wenige rundplastische Herrscherbildnisse hellenistischer Zeit sind erhalten. Viele hellenistische Könige ließen ihr eigenes Bildnis nicht auf Münzen prägen. Bildnisse eines Herrschers können sich stark voneinander unterscheiden.
 
 Sammlung  E-learning  Quellen  Literatur
     
 
Augustus, Typus Prima Porta. Chiusi
Augustus, Cistophor
 
Seit den Zeiten der späten römischen Republik und dann in der römischen Kaiserzeit geben offizielle Porträts jeweils wenige, standardisierte Porträttypen wieder: Münzen und rundplastische Porträts orientieren sich seitdem offenbar eng an jeweils denselben Entwürfen.
 
 Sammlung  E-learning  Quellen  Literatur