Amt und Würden: Toga-Statuen
 
Togastatue des Augustus. Korinth
In Korinth wurde eine Statue des Augustus in einem öffentlichen Gebäude, einer Basilika aus dem 1. Jahrhundert n. Chr., gefunden. Die Figur war Teil einer Gruppe von Porträtstatuen der Angehörigen des Kaiserhauses.
 
Die Statue zeigt Augustus mit der TogaObergewand des freien römischen Bürgers; die rechte Schulter blieb beim in Falten legen des Tuchs (ein Kreissegment von gut 3m Länge) frei; in der Kaiserzeit offizielles Staats- und Festgewand. bekleidet, ein Teil des Stoffes ist über den Hinterkopf gezogen. Nur römische Bürger waren berechtigt, die Toga zu tragen; sie waren sogar verpflichtet, sie bei offiziellen Anlässen anzulegen. Dazu gehörten auch feierliche Opfer, bei denen aufgrund ritueller Vorschriften der Kopf bedeckt sein musste, wie es die Statue des Augustus zeigt.
 
In der Antike muss die Statue noch bemalt gewesen sein; denn die Toga römischer Magistrate, zu denen Augustus gehörte, unterschied sich durch einen Streifen am Rand, der mit Purpur rot gefärbt war, von der ganz weißen Toga einfacher Bürger. Beim Triumph trug der siegreiche Feldherr eine Toga, die ganz purpurfarbig und mit Gold bestickt war; in der Kaiserzeit bekamen allerdings nur noch die Kaiser diese Ehre.
 
Gleichgültig welche Art der Toga die Statue des Augustus in Korinth trug, stellte sie ihn als traditionsbewussten Römer dar, der die Konventionen respektierte, die noch aus der Zeit der römischen Republik stammten, und der als Priester seine Pflicht den Göttern gegenüber erfüllte.
 
Augustus behauptete von sich selbst, nach den Bürgerkriegen die Republik wiederhergestellt zu haben. Mehrfach ließ er sich als Magistrat in die alten republikanischen Ämter wählen. Als pontifex maximus war er der oberste Priester Roms. Die Statue in Korinth erinnert an alles dieses und bleibt dabei der Beschränkung auf die traditionellen Ehrungen für den Kaiser verpflichtet. Augustus wird als "Erster unter Gleichen" (primus inter pares) präsentiert.
 
Flavius Palmatus. Aphrodisias
Die Tradition der Darstellung von Kaisern, aber auch hohen Beamten in Toga-Tracht wurde bis in die Spätantike weitergeführt. Die Statue des Flavius Palmatus aus dem 5. Jahrhundert n. Chr. wurde neben ihrem Sockel mit Inschrift im Theater von Aphrodisias gefunden. Diese Stadt liegt in Karien und war ein Zentrum der Marmor-Bildhauerei in Kleinasien.
 
Seit der Zeit des Augustus hatte die Mode der Toga-Drapierung mehrfach gewechselt; Flavius Palmatus hat die Toga der Mode seiner Zeit folgend eng am Körper in steife Falten gelegt. Darunter trägt er eine Tunicaein aus zwei Teilen genähtes, gegürtetes Gewand der römischen Männer und Frauen; mit kurzen Ärmeln, etwa knielang. mit langen Ärmeln. Außer der Toga weisen noch andere Attribute darauf hin, dass Flavius Palmatus ein hoher Beamter war: Neben ihm steht ein Bündel Schriftrollen, in dem die wichtigen Dokumente erkannt werden dürfen, die er für Staatsgeschäfte brauchte. In der linken Hand hält er ein Szepter als Zeichen seiner Amtsgewalt und in der rechten ein Tuch.
 
Dieses Tuch, die sog. mappa, wurde verwendet, um das Signal zum Beginn öffentlicher Spiele in der Arena zu geben. Die Ausrichtung solcher Spiele zur Unterhaltung der Bevölkerung war sehr kostspielig, brachte aber hohes Ansehen und ihre Finanzierung war eine der Pflichten hoher Amtsträger. Flavius Palmatus musste ein Interesse daran haben, die Erinnerung an seine Großzügigkeit wach zu halten. Er betätigte sich auch sonst als Stifter und Wohltäter seiner Heimatstadt Aphrodisias. Dafür wurde er mit der Aufstellung der Statue geehrt, wie der Inschrift auf dem Sockel der Statue zu entlesen ist.
 
Das entsprach üblicher Praxis: Angehörige der Oberschicht übernahmen auf eigene Kosten öffentliche Aufgaben und erhielten als Gegengabe Ehrungen, die wiederum ihre führende Position in der Gesellschaft festigten. So wurden Ehrenstatuen indirekt zwar meist von den Geehrten bezahlt, aber die Form einer offiziell beschlossenen Ehrung blieb gewahrt. Auch die öffentliche Aufstellung von Kaiserstatuen folgte diesen Regeln.
 
Versetz dich in die Rolle eines Ratsherren einer Stadt, die von Augustus mit einer großzügigen Stiftung bedacht worden ist. Zum Dank dafür willst du den Kaiser mit einem Denkmal ehren. Erläutere dem Bildhauer (in diesem Fall deinem Banknachbarn), wie das Bildnis aussehen soll.
 
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Paul Zanker: Augustus und die Macht der Bilder. Beck, München, 1979