Herrscher und Gott: domus divina
 
Der Ausdruck domus divina bezeichnet die "Herrschaft eines Geschlechts von Göttersöhnen". Während der Herrschaft des Augustus waren Porträts, die ihn "gottgleich" darstellten, öffentlich nur außerhalb Roms zu sehen. Nach seinem Tode und offiziellen Aufnahme unter die Götter waren solche Darstellungen auch in Rom selbst legitim. Nach dem Vorbild des Augustus wurden später weitere römische Kaiser und ihre Frauen nach ihrem Tode offiziell unter die Götter aufgenommen.
 
Doch auch lebende Mitglieder der Dynastie konnten mit Götterattributen dargestellt werden. Die erhaltenen Denkmäler sind oft sehr kostbar: Geschnittene Edelsteine gehörten wohl oft dem Kaiserhof selbst, sie waren jedenfalls nur einem kleinen Kreis von hochgestellten Betrachtern zugänglich.
 
Livia-Kameo
Hier musste man weniger Zurückhaltung in der Selbstdarstellung üben als in der Öffentlichkeit.
 
Livia wird auf einem Kameokostbares Schmuckstück aus geschnittenem Halbedelstein (mit erhabener figürlicher Darstellung). in Wien als Priesterin des göttlichen Augustus und zugleich selbst als Gottheit dargestellt. Auf einem Thron sitzend hält sie die Büste des Augustus in der Hand. Ähren, TympanonGiebelfeld des antiken Tempels; auch Bogenfeld über dem Türsturz romanischer und gotischer Kirchenportale. und das Diadem mit Mauerzinnen gleichen sie den Göttinnen Ceresrömische Göttin der Feldfrucht bzw. des Ackerbaus. und Magna Mater[lat. "Große Mutter"], Beiname der Göttin Kybele im Mittelmeer; sie galt als Spenderin von Leben und Fruchtbarkeit, und wurde daher als Muttergottheit der Natur, der Götter, Menschen und Tiere verehrt. Ihr Kult (in Rom Staatskult ab 204 v. Chr.) trug orgienähnliche Züge. an. Das von der Schulter gleitende Gewand ist eine Anspielung auf die Göttin Venusrömische Göttin der Liebe, mit der griechischen Aphrodite gleichgesetzt..
 
Die Büste des Augustus trägt einen Strahlenkranz, wie sonst Bilder des Sonnengottes - er ist also zu einem neuen Stern am Götterhimmel geworden.
 
Seit Alexander dem Großen wurden hellenistische Herrscher in Gestalt des obersten Gottes Zeus (lateinisch Jupiter) dargestellt. Dieses Götterbild wurde auch als Vorlage für Augustus-Bildnisse verwendet. Davon zeugt die sog. Gemma Augustea.
 
Das ReliefSkulptur auf einem flachen Hintergrund, z.B. auf einer Münze. zeigt Augustus als Iupiter neben Roma thronend. Er hält ein Szepter als Zeichen der militärischen Obergewalt in seiner rechten Hand.
 
Gemma Augustea. Wien, Kunsthist. Mus.
Gemme Jupiter
Sein Blick ruht auf Tiberius und den Prinzen vor ihm, die unter seinem Oberbefehl in den Krieg ziehen. Im unteren Bereich des Bildes ist der Sieg der römischen Truppen dargestellt. Soldaten richten neben Gefangenen ein Siegeszeichen auf. Das Bild spielt wohl auf Siege des Tiberius an. Die Sieghaftigkeit des Augustus hat sich hier wie eine göttliche Kraft auf Tiberius und die Prinzen übertragen. Hinter dem Thron des Augustus vervollständigen Personifikationen(Personifizierung), die Darstellung von abstrakten Begriffen oder Naturerscheinungen in menschlicher Gestalt, z.B. Nike oder Victoria als Bezeichnung für Sieg und Siegesgöttin. der befriedeten, glücklichen Erde das Bildprogramm.
 
Während einer Klassenfahrt besucht ihr ein Gipsabgussmuseum. Per E-Mail willst du deinen Geschwistern und Eltern zuhause berichten, was du dort gesehen hast. Da dich die geschnittenen Halbedelsteine (Kameen) besonders beeindruckt haben, lieferst du deiner Familie eine genaue Beschreibung der Gemma Augustea.
 
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Paul Zanker: Augustus und die Macht der Bilder. Beck, München, 1998
Werner Eck:: Augustus und seine Zeit. Beck, München, 2003