Das goldene Zeitalter
 
sog. Tellus-Relief der Ara Pacis
Die Selbstdarstellung des Kaisers und seiner Familie durchzog alle Bereiche der Kunst und war stets mit politischen Aussagen verbunden. Ein zentrales Thema war die neue Friedenszeit, die nach den Bürgerkriegen allen Römern Wohlstand bringen sollte. So wurde in Literatur und Kunst der Beginn der aurea aetas, also des Goldenen Zeitalters ausgerufen.
 
Ein Beispiel dafür ist das Tellus-Relief der Ara Pacis (= Altar des Friedens). Die Beschwörung der Fruchtbarkeit der Natur in einer friedlichen Welt steht im Mittelpunkt der Darstellung: Die mütterliche Gottheit Tellus (=Mutter Erde) sitzt würdevoll mit zwei Säuglingen im Arm auf einem Felsen. In ihrem Schoß liegen Früchte und ihr Haar ist mit einem Kranz aus Ähren und Mohn geschmückt.
 
Göttin Tellus
Bildnis der Livia
Diese Pflanzen wachsen auch hinter ihr. Die Personifikation(Personifizierung), die Darstellung von abstrakten Begriffen oder Naturerscheinungen in menschlicher Gestalt, z.B. Nike oder Victoria als Bezeichnung für Sieg und Siegesgöttin. der Erde wird von zwei weiteren Frauengestalten eingerahmt, die auf einem Vogel und einem Seeungeheuer reiten, und damit Luft und Meer symbolisieren. Das ReliefSkulptur auf einem flachen Hintergrund, z.B. auf einer Münze. ist also eine symbolische Darstellung der ganzen Welt.
 
Die Gesichtszüge der Göttin Tellus ähneln stark denen der Livia, der Ehefrau des Augustus. Damit ist das Kaiserhaus als Bringer von Frieden und Wohlstand auch in diesem Bild präsent, das die Fruchtbarkeit der Erde preist.
 
Nach dem Ende der Bürgerkriege zog Augustus friedliche Verhandlungen Kriegszügen vor. So konnte er im Orient bei den ParthernAngehörige eines nordiranischen Volksstammes im Altertum. Erfolge erzielen.
 
Augustus von Prima Porta. Vatikan
Doryphoros
An diesen Friedensschluss mit den Parthern im Jahre 20 v. Chr. erinnert die Panzerstatue des Augustus von Prima Porta mit den Reliefs auf dem Brustpanzer. Die Panzerstatue porträtiert Augustus als erfolgreichen Feldherrn.
 
In Haltung und Bewegung gleicht die Augustusstatue jedoch dem Doryphorosder "Speerträger"; berühmte Statue des griechischen Bildhauers Polyklet. von Polyklet und erinnert so an die Darstellung griechischer HeroenBezeichnung für einen zwischen Göttern und Menschen stehenden Helden, einen Halbgott, der große Taten vollbringt. oder Götter klassischer Zeit. Als römischer Feldherr tritt Augustus jedoch nicht nackt auf, wie die Heroen des Mythos; er trägt Panzer, Tunika und Mantel. Augustus hat hier allerdings keine Sandalen an, die sonst zur Militärtracht gehören, sondern geht barfuß wie der Doryphoros.
 
Auch andere Details geben Hinweise darauf, dass das Bildnis Augustus über das Menschenmaß hinaus in eine göttliche Sphäre heben sollte. Besonders auffallend ist der kleine Amorrömischer Gott der Liebe. neben dem linken Fuß des Augustus, der auf einem Delphin reitet. Er spielt darauf an, dass schon Caesar seine Abstammung auf Venus als Urahnin zurückführte. Damit sind alle Nachkommen dieser Familie Götterkinder, wie Amor, der Sohn der Venusrömische Göttin der Liebe, mit der griechischen Aphrodite gleichgesetzt..
 
Die Verschmelzung griechischer Formen mit den individuellen Zügen des Prinzeps(lat. princeps), im Römischen Reich inoffizieller Titel des Augustus zur Kennzeichnung seiner Stellung in der von ihm geschaffenen Staatsform (Prinzipat). gibt der Statue eine politische Dimension. Die Formen der griechischen Kunst standen für dauerhafte Werte, wie Würde und Autorität. Diese Werte wollte Augustus fest an seine Person binden.
 
Die Künstler und Auftraggeber seiner Zeit waren nur zu bereit, sich an den Vorgaben, die von Augustus und seiner Umgebung gesetzt wurden, zu orientieren. So wurden das Bild und das politische Programm seiner Bildkunst weit verbreitet.
 
Die Statue stand außerhalb Roms in der Villa von Prima Porta, die Livia, der Ehefrau des Augustus, gehörte. Die Statue ist mit 2,04 m Höhe überlebensgroß. Da sie in einer Nische stand und die Rückseite nicht sichtbar war, ist sie nur auf der Vorderseite detailliert ausgearbeitet.
 
Brustpanzer des Augustus von Prima Porta
Der Brustpanzer der Statue von Prima Porta ist mit vielen Figuren verziert, die wie ein politisches Programm zu lesen sind: Im unteren Bereich ist, wie auf der Ara Pacis, Tellus (=Mutter Erde) mit ihren Kindern zu sehen. Darüber reiten an den Seiten die Schutzgötter des Kaisers, Apollogriechischer Gott, wahrscheinlich kleinasiatischer Herkunft; galt als Sohn des Zeus und der Leto, sowie als Zwillingsbruder der Artemis. Meist als strahlend schöner jugendlicher Gott dargestellt, als Jäger oder Kitharaspieler. Apoll vertritt Recht, Ordnung und Frieden, ihm untersteht u.a. das Orakel von Delphi. und Dianagriech. Artemis; römische Göttin der wilden Natur und der Jagd, Beschützerin der jungen Mädchen und des Frauenlebens, auf ihren Lieblingstieren.
 
In der Mitte ist der Friedensschluss mit den Parthern aus dem Jahr 20 v. Chr. dargestellt:
 
Der Partherkönig gibt einem römischen Feldherrn einen der Legionsadler zurück, die Crassus 53 v. Chr. bei einer Niederlage verloren hatte.
 
Die Figuren rechts und links von dieser Szene stellen Vertreter besiegter Völker in Ost und West dar, weisen also auf siegreich geführte römische Eroberungskriege hin. Darüber lenkt der Sonnengott seinen Wagen über den Himmel; vor ihm fliegt die Göttin der Morgenröte. Darüber breitet der Himmelsgott seinen Mantel aus.
 
Die Gestaltung des Brustpanzers illustriert die Vorstellung vom "Goldenen Zeitalter" des Augustus, das durch das segensreiche Wirken des Kaisers auf der ganzen von Rom beherrschten Welt herbeigeführt wurde. Als Götterspross, der nach Vorsehung und Götterwillen handelt, garantiert er die Ordnung der Welt durch seine bloße Existenz, ohne dass kriegerische Taten nötig sind. Damit vermittelt die Statue des Augustus von Prima Porta eine neue Siegesideologie: Danach muss sich die Sieghaftigkeit des Herrschers nicht im Kampf bewähren, sondern ist Folge seiner engen Verbindung mit den Göttern und damit von immer gleichbleibender Qualität.
 
Togastatue des Augustus. Korinth
Die Propagierung der über menschliches Maß hinausgehenden, geradezu göttlichen Qualitäten des Kaisers musste vorsichtig gehandhabt werden; denn in Rom gab es hartnäckige Widerstände gegen die Einführung der Monarchieim Unterschied zu Aristokratie und Demokratie diejenige Staatsform, in der ein einzelner, der Monarch, die Herrschaft ausübt. Die Nachfolge in der Monarchie wird durch Wahl oder durch Erbnachfolge geregelt.. Augustus legte deshalb Wert auf die Erhaltung des Anscheins, dass er die die republikanische Ordnung wiederhergestellt habe. Er versicherte, dass er die nach republikanischer Verfassung gewählten Magistrate nicht an Macht übertreffe, sondern nur durch sein Maß an Verantwortung und durch sein persönliches Ansehen. Dementsprechend trat er nicht wie ein König auf, sondern kleidete sich wie die übrigen Senatoren mit der Toga. Er wollte sich selbst als "erster Bürger" (lat. princeps civium) verstanden sehen, was seiner Herrschaftsform die Bezeichnung "Prinzipat" einbrachte. Diese Zurschaustellung von Einfachheit, Frömmigkeit und Bescheidenheit spiegelt sich auch in der augusteischen Bilderwelt wider.
 
So waren Togastatuen des Augustus weit verbreitet: Als Mitglied der vier wichtigsten Priesterkollegien und als oberster Priester ließ sich Augustus gern als opfernder und betender Togatus(lat.), römischer Bürger im Friedensgewand. darstellen.
 
Augustus beim Opfer
Die so zur Schau gestellte Frömmigkeit sollte dem Betrachter vermitteln, dass der Prinzeps im Vollzug der religiösen Pflichten seine höchste Aufgabe und Ehre sah. Die Toga, die Augustus trägt, wurde erst in seiner Zeit zum feierlichen Staatsgewand: Zuvor war sie ein eher knapp geschnittener Umhang; jetzt wurde sie zu einem stoffreichen, aufwendig drapierten Gewand, das für den Alltag viel zu unpraktisch war. Diese Form der Ehrenstatue passte zur politischen Lage und ließ die Frage nach dem Verhältnis von tatsächlicher Macht und Verfassung verstummen.
 
Am Tag nach deinem Besuch im Museum fand ein Diebstahl statt. Gestohlen wurde die Statue des Augustus von Primaporta. Gib eine Fahndung mit genauer Beschreibung heraus.
 
 Sammlung  E-learning  Quellen  Literatur
 
 
Paul Zanker: Augustus und die Macht der Bilder. Beck, München, 1998
Werner Eck:: Augustus und seine Zeit. Beck, München, 2003