Augustus und das Zeitgesicht der Epoche
 
Augustus, Typus Prima Porta. München, Glyptothek
Büste eines augusteischen Prinzen
Iul.-claud. Privatporträt. Neapel, Mus. Naz.
 
Das allgegenwärtige Kaiserporträt wirkte im augusteischen Rom als Vorbild − ähnlich wie sich Jugendliche heute in Modefragen am Vorbild ihrer Lieblingsstars oder Fernsehidole orientieren. Besonders die Angehörigen des Augustus wurden so dargestellt, dass sie ihm zum Verwechseln ähnlich sehen. Doch auch Kleidung, Haartracht und Gesichtszüge römischer Privatporträts wurden an die Bildnisse des Augustus und seiner Familie angeglichen; sie folgten damit dem Schönheitsideal der Zeit.
 
Bildnis des Tiberius
Caligula, Haupttypus. Malibu, Getty Mus.
Claudius, Haupttypus. Braunschweig
 
Auch die Nachfolger des Augustus ließen ihre Porträts an sein Bildnis angleichen. Die Porträts des Tiberius und Caligula unterscheiden sich kaum von denen des Augustus. Bemerkenswert ist, dass sich auch Tiberius als Kaiser jugendlich darstellen ließ, denn er kam erst im Alter von über 60 Jahren an die Regierung. Erst Claudius, der ebenfalls als älterer Mann Kaiser wurde, wich von dieser Art der Darstellung ab; seine Bildnisse folgen zwar noch der gleichen Frisurmode, zeigen aber Alterszüge.
 
Statue des Augustus von Prima Porta
Terra Sigillata (Ausschnitt). Berlin, Antikenslg. (?)
Während in der Zeit vor Augustus die jeweilige Epoche das Gesicht der Menschen prägte, wurde in der Kaiserzeit das Gesicht der Epoche durch das Kaiserbild geprägt.
 
Dies führt sogar dazu, dass die Unterscheidung zwischen Kaiserporträt und anonymer Figur manchmal schwierig wird.
 
Ein Beispiel dafür ist die Darstellung auf einer Scherbe eines antiken Trinkgefäßes aus Ton. Das ReliefSkulptur auf einem flachen Hintergrund, z.B. auf einer Münze. dieser sog. Terra Sigillata wurde mit Stempeln in eine Formschüssel eingedrückt, mit deren Hilfe zahlreiche Becher hergestellt wurden. Die Figuren der Becher stellen niemand bestimmtes dar.
 
Auf diesem Becher sind eine Reihe von Figuren beim Trinkgelage abgebildet; die Gesichtszüge und Frisur der Männer sind an das Augustusbildnis angeglichen. Ihre Haare sind streng stilisiertnach einem bestimmten Stilideal oder -muster geformt. und begrenzen die Stirn in ausgewogenen ProportionenGrößenverhältnisse. zum Gesicht. Die Köpfe ahmen auch in ihrem ernsten, würdigen Ausdruck und der stolz aufgerichteten Haltung offizielle Porträts nach.
 
In einem Bild, das ein fröhliches Fest darstellt, wirkt diese Stilisierungnach einem bestimmten Stilideal oder −muster geformte (künstlerische) Darstellung; auf wesentliche Grundzüge reduzierte Darstellung. merkwürdig. War das würdige Bild des Kaisers wirklich in jeder Lebenslage Vorbild, oder wollte man sich leise darüber lustig machen?
 
Erinnere dich daran, dass Augustus der Trendsetter für eine ganze Epoche war. Schau dir vor diesem Hintergrund mal die Bilder deiner Lieblingsstars in einer Jugendzeitschrift an und notiere, welche Trends sie vorgeben. Vielleicht fallen dir Ähnlichkeiten zu Augustus auf.
 
 Sammlung  E-learning  Quellen  Literatur
 
 
Paul Zanker: Augustus und die Macht der Bilder. Beck, München, 1998
Werner Eck:: Augustus und seine Zeit. Beck, München, 2003