Octavian − der jugendliche Held
 
Augustus, Octavians-Typus. La Alcudia
Eine Ausnahme in der üblichen Darstellungsweise mächtiger Männer der späten Republik stellen die Bildnisse des Octavian dar. Der spätere Kaiser Augustus lebte von 63 v. bis 14 n. Chr. in Rom. Er war gerade neunzehn Jahre alt, als er nach der Ermordung seines Adoptivvaters Caesar 44 v. Chr. einer der wichtigsten Politiker Roms wurde. Sein Porträt aus Alcudia oben zeigt ihn mit der über den Kopf gezogenen TogaObergewand des freien römischen Bürgers; die rechte Schulter blieb beim in Falten legen des Tuchs (ein Kreissegment von gut 3m Länge) frei; in der Kaiserzeit offizielles Staats- und Festgewand., was sein Bildnis in die altrömische Tradition stellt. Sein Kopf ist jedoch in einer Art und Weise zurückgeworfen und gedreht, die an die Heldenpose hellenistischer Herrscherbildnisse erinnert. Dazu passen auch seine zerzausten Stirnhaare. Sein langer Hals ist schon von Caesarporträts bekannt. Die Gesichtszüge Octavians wirken hager, seine Wangen leicht eingefallen. Diese Darstellungsweise könnte mit der Absicht gewählt sein, die Bildnisse des jungen Octavian reifer erscheinen zu lassen.
 
Von diesem Bild des jugendlichen Helden konnte und wollte er wohl später nicht mehr abrücken. Im Porträt altert er daher nicht, vielmehr werden seine Züge in eine zeitlos jugendliche Form überführt. Nach der Erfahrung, die die Römer mit seinen Vorgängern Caesar, Pompejus und Crassus gemacht hatten, stellte sich im Gegensatz dazu wohl die Jugendlichkeit und Energie des Octavian als bessere Alternative dar. Dass diese Darstellung als ewig jugendlicher Held Programm war, zeigt ein Vergleich des Augustusporträts mit dem Bildnis des Agrippa im nächsten Kapitel.
 
Du hast in diesem Kapitel gelesen, dass sich die frühen Bildnisse Octavians durch hagere und eingefallene Gesichtszüge auszeichneten. Finde Gründe für diese Darstellungsweise und erkläre den späteren Umschwung zu der dauerhaft jugendlichen Darstellungsweise Octavians als Augustus.
 
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