Pompejus − "Magnus"
 
Pompeius. Kopenhagen, NCG
Alexander, Typus Azara, Paris Louvre
 
Eine Möglichkeit zur Darstellung eines energischen Heerführers der späten Republik zeigt das Bildnis des Pompejus. Er lebte von 106−48 v. Chr. in Rom. Als Feldherr machte er bedeutende Eroberungen im Osten und war neben Caesar und Crassus einer der TriumvirnMitglieder eines Triumvirats (= Zusammenschluss von drei mächtigen Männern, die in der Spätzeit der Römischen Republik die Macht unter sich aufteilten). des Jahres 60/59 v. Chr.
 
Das Gesicht seines Porträts scheint auf den ersten Blick ruhig, sein Mund scheint aus einigen Blickwinkeln sogar zu lächeln. Die Augen mit herabhängenden Lidern wirken beinahe schläfrig. Andererseits hat das Porträt eine hochgezogene und in Falten gelegte Stirn, ein Ausdruck innerer Bewegung. Über der Stirn trägt Pompejus einen hochgeworfenen Haarschopf, der diesen Eindruck noch verstärkt. Die aufsteigenden Stirnhaare (anastolé) sowie die in Falten gelegte Stirn sind von Bildnissen Alexanders d. Großen (356−323 v. Chr.) entlehnt. Dies zeigt ein Vergleich mit dem Bildnis des Makedonenkönigs rechts. Auch die Augenpartie beider Bildnisse lässt sich vergleichen. Antike Quellen berichten, dass Pompejus sich den Vergleich mit Alexander d. Großen gerne gefallen ließ. Ein Beleg dafür ist wohl auch, dass er sich den Beinamen "Magnus" = "der Große" zulegte. Angeblich war Pompejus nicht nur in seinen Leistungen, sondern auch im Aussehen Alexander ähnlich. Diese Nachrichten zur Person des Pompejus spiegeln sich in seinen Porträts wider. Die Ähnlichkeit zu Alexander konnten die Zeitgenossen des Pompejus nicht im direkten Vergleich zwischen den beiden Männern beobachten, denn Alexander war schon lange tot. Nur seine Porträts gab es noch. Ob also die Ähnlichkeit mit Alexander am lebenden Menschen Pompejus beobachtet wurde, oder ob solche Äußerungen in antiken Quellen erst eine Reaktion auf seine entsprechend stilisiertennach einem bestimmten Stilideal oder -muster geformt. Porträts waren, bleibt eine offene Frage.
 
Das Porträt des Pompejus ruft einen zwiespältigen Eindruck hervor. Das Gesicht wirkt zunächst wenig heldenhaft mit kleinen Augen, schmalen Lippen und kurzer Nase. Durch Haare und Mimik kommen Bewegung und Entschlossenheit hinzu. Vielleicht ist diese Mischung bewusst gewählt: Pompejus wollte sich als energischer, aber doch maßvoller Staatsmann präsentieren.
 
Nach einem Besuch im Museum erfährst du am nächsten Tag in der Zeitung von einem nächtlichen Diebstahl. Gestohlen wurde das Bildnis des Pompejus. Gib eine genaue Beschreibung des Porträts heraus.
 
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