Cato − der senex als Leitbild
 
'Postumius Albinus'. Paris, Louvre
Ein Bildnis, das für die "Republik der Greise" steht, stammt aus der Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. Es zeigt einen Mann mit starken Alterszügen: Falten, schlaffen Wangen und einem zahnlos eingefallenen Mund.
 
Doch scheint er nicht müde oder schwächlich. Vielmehr wirkt er mit der heftigen Wendung seines Kopfes, seinem aufmerksamen Blick und seinem zum Sprechen geöffneten Mund sehr energisch. Das Bildnis ist ohne Namen gefunden worden, aber es gibt mehrere Kopien aus der römischen Kaiserzeit. Sie zeigen, dass es sich um einen berühmten Mann handeln muss, der noch in späterer Zeit verehrt wurde. Weil man in römischen Häusern und Bibliotheken mit Vorliebe Porträts von Schriftstellern aufstellte, ist der Benennungsvorschlag als Cato maior am wahrscheinlichsten.
 
Dieser Politiker, Feldherr und Schriftsteller lebte von 234 bis 149 v. Chr. in Rom. Er war einer der einflussreichsten Staatsmänner seiner Zeit. Aus dem Ritterstand war er zum Senator aufgestiegen, war römischer Konsul (195 v. Chr.) und CensorBeamter im republikanischen Rom, der wohl seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. für die Vermögensschätzung und Volkszählung, die sittliche Überwachung der Bürger, die Verpachtung öffentlicher Einkünfte und öffentlichen Eigentums sowie für die Vergabe öffentlicher Arbeiten zuständig war. Jeweils zwei Censoren wurden für maximal 18 Monate gewählt. von Rom (184 v. Chr.). Dieses Amt nutzte er zu einer strengen Musterung der römischen Senatoren und Ritter; er ergriff Maßnahmen gegen den Luxus ihrer Lebensführung, der in seinen Augen übertrieben und verwerflich war. Als neues Mitglied der römischen Führungsschicht, wurde Cato zum entschiedenen Verteidiger römischer Traditionen (mos maiorum). Er vertrat eine strenge und einfache Lebensführung gegen die aus Griechenland kommenden Annehmlichkeiten des Lebens. Als verweichlichend und schädlich galt für Cato auch die griechische Philosophie.
 
Nach den Schriften Catos stellten ihn sich viele seiner Leser als hageren, asketischenenthaltsam, entsagend. Mann vor − in seinen Schriften preist er Kohl in jeder Form als seine Lieblingsspeise. Roher Kohl in Essig auf nüchternen Magen sollte seiner Ansicht nach sogar als Medizin vor zuviel Weingenuss schützen. Das Porträt zeigt dagegen einen durchaus beleibten Mann. Doch die wenig sorgfältig frisierten Haare und der Verzicht auf jede Verschönerung im Bildnis würden gut zu einem Mann passen, der verfeinerte Lebensformen verachtete. Dabei war Cato ein sehr reicher Mann; doch zu seiner Zeit ließen sich auch die führenden Männer in anderen Städten Italiens fast immer wohlbeleibt darstellen.
 
Bildnis des Seneca
Auch der Philosoph Seneca, der über 200 Jahre später in seinen Schriften ebenfalls ein einfaches Leben empfahl, ließ sich noch als schwergewichtiger Aristokrat porträtieren.
 
Versetz dich in die Rolle eines Bildhauers zur Zeit der späten Republik! Du bekommst den Auftrag, das Porträt eines bekannten Mannes anzufertigen. Notiere dir als Gedankenstütze, welche Möglichkeiten du für die Gestaltung eines solchen Porträts hättest.
 
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