Philosophenspott
 
Silberner Skelettbecher
Skelettbecher
 
Griechische Philosophie wurde in der römischen Kaiserzeit eifrig studiert. Wer es sich leisten konnte, beschäftigte auch einen Vertreter der griechischen Philosophie als Ratgeber und Hauslehrer. Es gehörte zum guten Ton, sich in Haus und Villa mit Darstellungen aus der griechischen Kultur und Geschichte zu umgeben. Dabei waren Bildnisse der antiken Denker besonders häufig. Wer sich mit solchen Kunstwerken umgab, wollte zeigen, dass er zu den Gebildeten und damit zur guten Gesellschaft gehörte. Doch hatten viele Menschen wohl auch den aufrichtigen Wunsch, sich mit Darstellungen ihrer Vorbilder zu umgeben. Skulpturen und Bilder konnten Anstoß zu gebildeten Gesprächen geben, wie sie bei vornehmen Gastmählern gepflegt wurden.
 
In diese Umgebung gehören zwei Silberbecher aus einem Schatzfund in einer Villa bei Boscoreale, die vom Vesuv 79 n. Chr. verschüttet wurde. Sie zeigen, wie man der Allgegenwart der ernsten Häupter der alten Griechen in den römischen Haushalten auch mit mildem Spott begegnete.
 
Auf den Silberbechern von Boscoreale sind einige der bekannten griechischen Dichter und Philosophen als Skelette abgebildet. Noch als Skelette setzen die Weisen auf den Bechern ihre Streitgespräche fort. Epikur greift dabei nach dem Kuchen, den ein Schweinchen neben ihm erschnuppert hat. Über dem Kuchen steht der Leitsatz: "Höchstes Ziel ist die Lust". Ihm gegenüber bringt das Skelett Zenons seine Einwände dagegen vor. Diese Bilder auf den Bechern sollen wohl darauf hinweisen, dass alle Weisheit nicht vor dem Tod schützt und fordern dazu auf, das Leben beizeiten zu genießen. Die Darstellung der alten Dichter und Weisen als Skelette spielt außerdem auf die spöttische Behauptung an, nach der sich griechische Philosophen mit nichts anderem als dem Sterben beschäftigten.
 
Stell dir vor, du befindest dich bei einem Gastmahl eines reichen Römers. Der Wein zum Mahl wird in den oben abgebildeten Silberbechern gereicht. Ein Gespräch will nicht so recht zustande kommen. Überlege dir, wie du anhand der Abbildungen auf dem Trinkbecher eine Unterhaltung in Gang bringen könntest und schreibe deinen Vorschlag in Form einer kurzen Geschichte nieder.
 
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Paul Zanker: Die Maske des Sokrates. Das Bild des Intellektuellen in der antiken Kunst. Beck, München, 1995