Alt und jung
 
Junge Männer können im Porträt als schön und tapfer gezeigt werden. Männer mittleren Alters treten als gute Bürger auf. Alte Männer werden als erfahren und weise charakterisiertdargestellt, gekennzeichnet.. Frauen werden im Porträt dagegen fast immer jung und schön dargestellt, egal wie alt sie zur Zeit der Entstehung ihres Porträts wirklich waren.
 
Ehepaar aus Kastengrabrelief. Vatikan
Diese unterschiedliche Art und Weise der Darstellung von Mann und Frau zeigt sich z.B. am Grabrelief eines römischen Ehepaares aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. Auf dem Relief sind die beiden verstorbenen Eheleute dargestellt: Sie halten einander jeweils die rechte Hand; die linke Hand der Frau ruht auf der Schulter ihres Gatten. Während er eine TogaObergewand des freien römischen Bürgers; die rechte Schulter blieb beim in Falten legen des Tuchs (ein Kreissegment von gut 3m Länge) frei; in der Kaiserzeit offizielles Staats- und Festgewand. trägt, ist sie ist mit Tunicaein aus zwei Teilen genähtes, gegürtetes Gewand der römischen Männer und Frauen; mit kurzen Ärmeln, etwa knielang. und Umhang bekleidet. Der Ehemann ist mit deutlichen Zeichen des Alters abgebildet: Stirn, Gesicht und Hals sind von tiefen Falten zerfurcht. Das Gesicht der Ehefrau ist dagegen glatt und jugendlich schön. Bei ihr sind keinerlei Alterszüge zu erkennen; doch heißt das nicht, dass sie viel jünger war als ihr Mann. Denn oft zeigen Bildnisse von Eltern mit ihren erwachsenen Kindern nur den Vater als älteren Mann; die Mutter wird dagegen in scheinbar zeitloser Schönheit dargestellt.
 
Marc Aurel, Typus 1. Rom, Musei Capitol.
Faustina minor, Typus 1. Rom, Musei Capitol.
 
Marc Aurel, Typus 3. Rom, Musei Capitol.
Bildnis der Faustina minor (letzter Bildnistypus)
 
Auch an den Porträts des Kaiserpaares Marc Aurel und Faustina minor(Annia Galeria Faustina Minor bzw. Faustina d. Jüngere), Tochter des Kaisers Antoninus Pius und seit 145 n. Chr. Ehefrau Marc Aurels; lebte von etwa 130 bis 176 n. Chr. in Rom; begleitete ihren Mann auf seinen Feldzügen; hatte mit ihm mindestens 12 Kinder, darunter den späteren Kaiser Commodus. aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. ist zu sehen, dass die Darstellung höheren Alters beim Kaiser noch interessant war; das Bildnis seiner Frau blieb dagegen auf einer jugendlicheren Stufe stehen. Beide standen als zukünftiger Thronfolger und als Tochter des regierenden Kaisers schon früh im Blickpunkt der Öffentlichkeit und wurden mit Porträts geehrt. Im Laufe ihres Lebens wurden immer wieder neue Porträttypen geschaffen.
 
Der 1. TypusBildnistyp oder -gattung; Bildnisse eines bestimmten Typus folgen schematisch ein und demselben Urbild. des Porträts des Marc Aurel zeigt ihn als 17 Jahre alten Jugendlichen, dem noch kein Bart wächst; spätere Porträts zeigen den ersten Bartflaum und dann einen kurzen Bart. Der 1. Typus des Porträts der Faustina minor zeigt sie als jugendliche Frau mit einer modischen Frisur. Dieses Porträt begegnet uns auf Münzen etwa ein Jahr nach der Hochzeit des Kaiserpaares, als Faustina ca. 15 Jahre und Marc Aurel 24 Jahre alt war.
 
30 Jahre später wird Faustina in ihrem letzten Porträttypus dargestellt; inzwischen hatte sie mindestens 13 Kinder geboren (und die meisten davon begraben); sie starb im Alter von 45 Jahren.
 
Ebenfalls ca. 30 Jahre nach seinem 1. entstand der 4. und letzte Porträttypus des Marc Aurel.
 
Zwischen dem fast noch kindlichen Porträt des Prinzen und dem Bildnis des älteren, würdigen Kaisers mit Vollbart ist der Prozess des Erwachsen- bzw. Altwerdens deutlich nachzuvollziehen. Marc Aurel wurde jedoch in keinem seiner Porträts als gebrechlicher Greis dargestellt, obwohl er in seinen letzten Lebensjahren durch schwere Krankheit sehr gealtert sein muss.
 
An Faustina minor scheint hingegen die Zeit fast spurlos vorbeigegangen zu sein. Ihr Gesicht ist zwar etwas voller geworden und auch die Frisurenmode hat sich geändert; ihr Porträt zeigt sie aber weiterhin als junge Frau.
 
Versetz dich in die Rolle eines antiken Bildhauers! Du bekommst den Auftrag, die Porträts eines Ehepaares anzufertigen. Notiere dir als Gedankenstütze die Merkmale, die einerseits das Frauenporträt und andererseits das Männerporträt aufweisen sollte.
 
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