Nerva
 
Nerva war schon ein alter Mann, als er Kaiser wurde. Ihn empfahlen seine Erfahrung und Mäßigung. Nach den Exzessen seiner Vorgänger wurde vornehme Zurückhaltung zum Programm − und so wurden ganz sparsam die meisten seiner Bildnisse aus denen des gerade gestürzten Domitian umgearbeitet.
 
Nerva. Kopenhagen, NCG
Zur Person
 
Nerva (Marcus Cocceius Nerva) wurde 30 n. Chr. in Narnia geboren. Schon früh zeichnete sich seine politische Karriere ab. Im Laufe der Jahre bekleidete Nerva − unbehelligt von den Machtwechseln seiner Zeit − zahlreiche verschiedene Staatsämter. Sein Mitwirken bei der Zerschlagung der Pisonischen Verschwgeplantes Mordkomplott gegen Kaiser Nero im Jahre 65 n.Chr. als Reaktion auf dessen zunehmend tyrannische Herrschaftsweise; ausgehend von Mitgliedern der höchsten Kreise Roms (darunter auch der römische Philosoph Seneca und sein Neffe Lucan sowie Angehörige des Kaiserhauses); angeblich unter der Federführung des römischen Konsuls Gaius Calpurnius Piso. brachte ihm die Ehrenzeichen des TriumphatorsBezeichnung für den im Rom der Antike feierlich einziehenden siegreichen Feldherrn. ein. Im Jahre 96 n. Chr. wurde er − bereits alt und gebrechlich − vom Senat zum römischen Kaiser ernannt. Die erste Zeit seiner Regentschaft war von Unruhen nach dem gewaltsamen Sturz Domitians geprägt. Nerva versuchte die Fehler seines Vorgängers zu korrigieren und suchte das Vertrauen von Volk und Oberschicht. Um die Schäden der Ausschreitungen zu beheben, rief er ein bescheidenes Bauprogramm ins Leben und stopfte die Löcher im Staatshaushalt aus seinem Privatvermögen. Militärische Erfolge konnte er nicht verzeichnen, was ihn bei den Truppen hinter seinem Vorgänger Domitian zurückstehen ließ. Schnell kam es daher zu Unruhen im Heer, die in einer Meuterei und einem geplanten Anschlag auf den Kaiser gipfelten. Höhepunkt der Krise war schließlich die Meuterei der PrAngehöriger der Leibwache römischer Feldherren oder Kaiser. im Jahre 97 n. Chr. Während dieses Aufstandes wurde Nerva im Palast überwältigt und gezwungen, die Mörder Domitians auszuliefern und sich öffentlich für deren anschließende Hinrichtung zu bedanken. In dieser Lage und weil er selbst keine Kinder hatte, adoptierte Nerva den beim Militär beliebten Trajan. Nerva eröffnete damit die Reihe der AdoptivkaiserBezeichnung für die von 96 bis 180 n.Chr. regierenden römischen Kaiser. Die Bezeichnung erklärt sich aus der Art der Nachfolgeregelung: Durch Adoption und Vorbereitung des jeweiligen Nachfolgers sollte der bestgeeigneten Persönlichkeit die Herrschaft gesichert werden.. Er starb 98 n. Chr. in Rom.
 
Zum Bild des Nerva in der antiken Literatur
 
In der antiken Literatur wird Nerva als göttlich gerühmt − denn seine Nachfolger hatten ein Interesse daran, seine kluge Wahl bei der Adoption des Thronerben möglichst herauszustreichen.
 
Beobachtungen zum Porträt
3D - Ansicht
Die Bildnisse Nervas zeigen ihn mit hagerem, spitz zulaufenden Gesicht, einer Hakennase, kleinen Augen und schmalem Mund mit vorgeschobener Unterlippe. Sie bilden so einen sichtbaren Gegensatz zu Porträts von Kaisern der flavischen Dynastieplebejisch-römisches Herrschergeschlecht; zu unterteilen in die 1. flavische Dynastie von 69-96 n.Chr. (hierunter fallen als Begründer Vespasian sowie in der Folge Titus und Domitian) und die 2. flavische Dynastie von Konstantin dem Großen über Konstantin II, Konstans I, Konstantius II bis hin zu Julian (306-363 n.Chr.). (Vespasian, Titus oder Domitian). Nerva trägt eine Kurzhaarfrisur mit locker geschwungenem Stirnhaar.
 
Da seine Regentschaft nur von kurzer Dauer war, sind von ihm nur wenige Porträts überliefert. Viele dieser Bildnisse wurden aus Porträts des Domitian umgearbeitet, was sich an der Uneinheitlichkeit der Haargestaltung und den Unstimmigkeiten der Proportionen deutlich erkennen lässt.
 
 Sammlung  E-learning  Quellen  Literatur
 
 
 
Chris Scarre: Die römischen Kaiser. Herrscher und Dynastien von Augustus bis Konstantin, ECON Verlag GmbH, Düsseldorf, 1996, S. 86ff.
Otto Veh: Lexikon der römischen Kaiser, Artemis & Winkler, Düsseldorf, 1998