Claudius (& Agrippina d. Jüngere)
 
Claudius wird körperlich stark beeinträchtigt beschrieben; er konnte seine Glieder und seinen Kopf demnach nicht ruhig halten, stotterte und hinkte. Trotzdem soll er eine imponierende Erscheinung gewesen sein.
 
Claudius, Haupttypus. Kopenhagen, NCG Inv. 1277
Zur Person
 
Claudius (Tiberius Claudius Nero Germanicus) wurde 10 v. Chr. in Lugdunum als Sohn des Nero Claudius Drusus(Nero Claudius Drusus bzw. Drusus Maior), römischer Feldherr und zweiter Sohn der Livia aus erster Ehe mit Tiberius Claudius Nero; Bruder des Tiberius; lebte von 38 bis 9 v.Chr. Er wurde durch die Heirat seiner Mutter mit Augustus zum Stiefsohn des Kaisers. Aus seiner eigenen Ehe mit Antonia, der Tochter des Marcus Antonius und Octavia, der Schwester des Augustus, gingen zwei Söhne hervor, Germanicus und Claudius, der später Kaiser wurde. Drusus unterwarf 15 v.Chr. die Räter und Vindeliker, war Kommandeur an der Rheinfront und führte zahlreiche Feldzüge gegen die Germanen, wobei er bis zur Elbe vordrang. geboren. 41 n.Chr. trat er die Nachfolge Caligulas als römischer Kaiser an. 43 n. Chr. eroberte er den Südosten Britanniens, befestigte die Donaugrenze und sorgte für eine Reform der Verwaltung. Claudius stand zunächst stark unter dem Einfluss seiner Gattin Valeria Messalina(Messalina), lebte von 25 bis 48 n.Chr.; römische Kaiserin und 3. Frau des Kaisers Claudius (seit 39 n. Chr.); berüchtigt für ihren sittenlosen Lebenswandel und ihre Grausamkeit., die aber 48 n.Chr. aufgrund eigener Intrigen zu einer Bedrohung wurde und mit ihren Anhängern hingerichtet wurde. Ein Jahr später heiratete Claudius seine Nichte Agrippina minor. Auch sie übte großen Einfluss auf Claudius aus. 50 n. Chr. adoptierte er Nero, den Sohn Agrippinas aus erster Ehe, der als Thronfolger bestimmt wurde. Bevor Claudius die Thronfolge zugunsten seines leiblichen Sohnes Britannicus(Tiberius Claudius Caesar Britannicus), lebte von 41 bis 55 n.Chr. in Rom; Sohn des Kaisers Claudius und der Valeria Messalina; wurde von seiner Stiefmutter Agrippina minor zugunsten Neros aus der Nachfolge verdrängt; von Nero vergiftet. neu regeln konnte, ließ ihn Agrippina 54 n. Chr. vergiften.
 
Zum Bild des Claudius in der antiken Literatur
 
Antike Autoren beschreiben Claudius als große und imponierende Erscheinung mit guter Figur, grauem Haar und vollem Nacken. Er soll jedoch nicht sicher auf den Beinen gewesen sein, was ihn beim Gehen behinderte. Bei öffentlichen Auftritten bot er wegen unanständigen Gelächters, einer Neigung zum Stottern und durch das ständige Zittern seines Kopfes einen unwürdigen Anblick.
 
Beobachtungen zum Porträt
 
Die typischen Merkmale der claudischen Familie lassen sich auch im Porträt des Claudius wiederfinden: Sein Bildnis zeigt ihn mit dreieckiger Gesichtsform und breiter Stirn. Allerdings ist sein Gesicht fleischiger, seine Brauen sind zusammengezogen und wulstig und er hat ein leichtes Doppelkinn. Sein Porträt weist außerdem deutliche Alterszüge auf. Seine Frisur folgt ganz der julisch−claudischen Tradition und besteht aus gleichmäßigen kurzen Strähnen. Sein Stirnhaar schließt mit kurzen Fransen gerade ab.
 
 Sammlung  E-learning  Quellen  Literatur
 
 
 
Chris Scarre: Die römischen Kaiser. Herrscher und Dynastien von Augustus bis Konstantin, ECON Verlag GmbH, Düsseldorf, 1996, S. 42ff.
Otto Veh: Lexikon der römischen Kaiser, Artemis & Winkler, Düsseldorf, 1998
 
Agrippina minor
 
Agrippina war eine einflussreiche Persönlichkeit. In ihrer Zeit als Gemahlin des Claudius und während der ersten Regierungsjahre ihres Sohnes Nero soll sie großen Einfluss genommen haben. Die Jahre, in denen sie für ihren minderjährigen Sohn die Regierungsgeschäfte führte, bezeichnete Tacitus rückblickend als die glücklichsten Jahre der römischen Kaiserzeit.
 
Agrippina minor. Kopenhagen, NCG
Zur Person
 
Agrippina d. Jüngere wurde 15 n. Chr. in Köln (damals ein römisches Militärlager) als Tochter des Germanicus(Gaius Julius Caesar Germanicus), römischer Feldherr und Sohn des Drusus maior; Vater von Caligula und Agrippina d. Jüngeren; lebte von 15 v.Chr. bis 19 n.Chr. in Rom. War verheiratet mit Agrippina maior. Wurde 4 n.Chr. von Tiberius adoptiert; unternahm u.a. 14−16 n. Chr. mehrere Vorstöße nach Germanien; bekam 17 n.Chr. einen Triumph bewilligt. und der Agrippina maior(Vipsania Agrippina), lebte von 14 v.Chr. bis 33 n.Chr., Tochter des Marcus Vipsanius Agrippa; war verheiratet mit Germanicus und Mutter Caligulas; Nach dem Tod ihres Mannes in Syrien wurde sie von Kaiser Tiberius beschuldigt, ihren Gatten vergiftet zu haben; sie wurde auf die Insel Pandateria verbannt, wo sie Selbstmord beging. geboren. Kaiser Caligula war ihr Bruder. In zweiter Ehe heiratete sie ihren Onkel, Kaiser Claudius und erreichte damit die für eine Frau maximale Machtfülle. Sie brachte Claudius dazu, ihren Sohn Nero zu adoptieren und ihn mit seiner Tochter OctaviaTochter des römischen Kaisers Claudius und erste Ehefrau Neros; lebte von 40-62 n.Chr. in Rom; wurde von Nero unter dem Vorwurf des Ehebruchs verstoßen und ermordet, um den Weg für seine Ehe mit Poppäa Sabina zu ebnen. zu vermählen. Mit der Zeit festigte Agrippina ihre Machtposition und trat neben Claudius immer mehr in den Vordergrund. So saß sie bei allen offiziellen Anlässen und Spielen neben ihm auf einem Thron, hielt selbst Hof und empfing Gesandte. Sie erhielt zudem eine Ehrengarde von PrAngehöriger der Leibwache römischer Feldherren oder Kaiser. sowie ein eigenes Staatsschiff. Bei öffentlichen Auftritten stand sie wie Claudius auf einer eigenen Tribüne und man huldigte ihr mit den gleichen Grüßen und Gesten wie dem Kaiser. Schon zu ihren Lebzeiten erschien ihr Bildnis auch auf Münzen. Nach dem Mord an Claudius 54 n. Chr. wurde ihr Sohn Nero Kaiser. Zunächst hatte sie großen Einfluss auf die Regierungsgeschäfte, den Nero ihr in späteren Jahren streitig machte und sie deshalb auch 59 n. Chr. ermorden ließ.
 
Zum Bild der Agrippina in der antiken Literatur
 
Antike Autoren beschreiben Agrippina als streng, hochmütig und herrschsüchtig. Im Vergleich mit Messalina, der ersten Frau des Claudius, soll sie beim Volk aber beliebter gewesen sein, da mit Agrippina das politische Leben von weniger Skandalen und Staatsprozessen geprägt war.
 
"Umgewandelt war seitdem die Stadt, und alles gehorchte einer Frau, die nicht mutwillig, wie Messalina, ihre Launen am römischen Staatsleben ausließ. Straff und gleichsam männlich zog sie die Zügel der Sklaverei an; in der Öffentlichkeit zeigte sie Strenge und in der Regel Hochmut; in ihrem Haus gab es keine Sittenlosigkeit, außer wenn es ihrer Herrschsucht dienen konnte."
 
Beobachtungen zum Porträt
 
Im Porträt der Agrippina spiegelt sich ihre Sonderstellung als Frau des Kaisers wider. Ein besonderes Merkmal ihres Bildnis ist die kunstvolle Modefrisur mit einem kostbaren Diadem. Ihre Gesichtszüge sind ebenmäßig schön, doch die Form des Gesichts und der kleine, stark geschwungene Mund verraten die Familienähnlichkeit, z.B. zu ihrem Bruder Caligula.
 
 Sammlung  E-learning  Quellen  Literatur
 
 
 
Chris Scarre: Die römischen Kaiser. Herrscher und Dynastien von Augustus bis Konstantin, ECON Verlag GmbH, Düsseldorf, 1996, S. 48ff.