Zenon
 
Zenon soll ernst und streng gewesen sein. Sein Porträt mit zusammengezogener Stirn verstärkt diesen Eindruck. Aber könnte diese Mimik nicht auch auf etwas anderes verweisen?
 
Zenon. Neapel, Mus. Naz.
Zur Person
 
Zenon wurde um 335 v. Chr. in Kition geboren. Er setzte sich zunächst mit den bereits in Athen bestehenden philosophischen Schulrichtungen der SokratikerPhilosophen des 4. Jh. v. Chr., die im weitesten Sinne als Schüler des Sokrates gelten und meist eigene Schulen gründeten. und KynikerVertreter der kynischen Philosophenschule und damit Anhänger des Schulgründers Antisthenes, der Bedürfnislosigkeit und Selbstgenügsamkeit lehrte und lebte. auseinander und entwickelte dann sein eigenes System. Er gilt als Begründer der Stoaeine um 300 v. Chr. von Zenon von Kition begründete Philosophenschule, die sich in einer Halle (=stoa) in Athen versammelte., die nach ihrem Versammlungsort in einer Säulenhalle an der AgoraBezeichnung für den Markt und auch für die dort stattfindende Volksversammlung im alten Griechenland. von Athen (Stoa Poikile) benannt wurde.
 
Zenons Lehre behandelt Probleme der Ethikdie philosophische Wissenschaft vom Sittlichen; befasst sich mit den sittlichen Normen, Werten und Anschauungen, insbesondere im Hinblick auf ihre Begründbarkeit; als Begründer der Ethik als Disziplin gilt Aristoteles., LogikLehre von der Folgerichtigkeit; die Tradition unterschied zwischen der reinen und angewandten Logik. Zur reinen Logik gehörte die Lehre vom Begriff, Urteil und Schluss. Die angewandte Logik umfasste die Lehre von der Definition, vom Beweis und der Methode. Die Logik als die Grundlage und Voraussetzung jeden exakten Denkens wurde von Aristoteles begründet. und Physik. Zentral ist die Frage nach den Möglichkeiten menschlicher Erkenntnis. Seine Ethik strebte ein tugendhaftes, weil im Einklang mit der Natur stehendes Leben an.
 
Zum Bild des Zenon in der antiken Literatur
 
Antike Quellen heben übereinstimmend hervor, dass Zenon nach den Maßstäben seiner Zeit wenig ansprechend aussah: Er war hager und schwächlich, sah ernst und streng aus, mit immer zusammengezogener Stirn.
 
Nach seinem Tod wurde Zenon auf Staatskosten in einem Ehrengrab beigesetzt; ein goldener Kranz wurde ihm zugesprochen. In Athen wurde dem Philosophen eine Ehrenstatue errichtet; zumindest eine weitere stand in seiner Heimatstadt Kition auf Zypern.
 
Beobachtungen zum Porträt
3D - Ansicht
 
Die Kopien des Porträts des Zenon konnten anhand einer kleinen Bronzebüste mit Namensaufschrift in Neapel identifiziert werden. Die Porträts zeigen den Philosophen als ernsten, bärtigen Mann.
 
Das auffallendste Merkmal sind die steilen Falten in der Mitte der Stirn, die dem von antiken Quellen beschriebenen charakteristischen Gesichtsausdruck Zenons entsprechen. Auf diese Weise wird das konzentrierte Denken des Philosophen ins Bild gesetzt.
 
Der Kopf Zenons ist energisch vorgereckt, die Lippen scheinen sich in angeregter Debatte leicht zu öffnen. Leider ist unbekannt, wie die Statue aussah, auf der das Bildnis aufsaß; es ist bisher nur in Kopien überliefert, die auf den Kopf reduziert sind. An der Drapierung der Büsten ist abzulesen, dass Zenon wohl nur mit einem Mantel bekleidet war, der über beiden Schultern lag, aber die Brust freiließ. Vielleicht handelte es sich um eine Sitzstatue, ähnlich denen des Epikur oder des Chrysippos.
 
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Gisela M. A. Richter: The Portraits Of The Greeks. Abridged Edition. Phaidon Press Limited, Oxford, 1984, S. 218ff.
Der neue Pauly: Enzyklopädie der Antike, Band 12,2 Metzler, Stuttgart, 1998