Karneades
 
Karneades war bekannt dafür, dass er alles in Frage stellte. Als Vertreter einer weniger strengen philosophischen Schulrichtung hebt sich sein Porträt von dem anderer Philosophen ab.
 
Bildnis des Karneades
Zur Person
 
Karneades wurde 214 v. Chr. in Kyrene geboren. Später wurde er Bürger von Athen und übernahm dort ca. 164/160 v. Chr. die Leitung der Akademie. Mit dem Werk des Karneades begann die Epoche der Neuen (platonischen) Akademiedie von Platon in Athen gegründete Akademie.. 156/155 v. Chr. war er als Gesandter in Rom. Hier erregte er mit seinen Vorträgen zur Philosophie großes Aufsehen und trug entscheidend zur Aufnahme der Philosophie in Rom bei.
 
Als Anhänger der skeptischen Richtung der Philosophie, die den Zweifel zum Denkprinzip erhob und die Möglichkeit einer Erkenntnis der Wirklichkeit in Frage stellte, entwickelte er eine Theorie der Wahrscheinlichkeit. Zentral scheint für Karneades die Auseinandersetzung mit Positionen der Stoaeine um 300 v. Chr. von Zenon von Kition begründete Philosophenschule, die sich in einer Halle (=stoa) in Athen versammelte. (z.B. mit Chrysippos) gewesen zu sein. Karneades hinterließ keine Schriften von eigener Hand, seine Lehre wurde von Schülern aufgezeichnet. Er starb 129 v. Chr. in Athen.
 
Zum Bild des Karneades in der antiken Literatur
 
Cicero sah eine Statue des Karneades an seiner Wirkungsstätte in Athen, die für ihn die Präsenz des Philosophen, seine Stimme und seinen Intellekt heraufbeschwor. Die Basis einer Statue, vielleicht der von Cicero beschriebenen, wurde auf der AgoraBezeichnung für den Markt und auch für die dort stattfindende Volksversammlung im alten Griechenland. von Athen gefunden.
 
Beobachtungen zum Porträt
3D - Ansicht
 
Ein durch Namensaufschrift gesichertes Bildnis von Karneades stand früher in der Sammlung Farnese in Rom, ist aber heute verschollen und nur durch eine Zeichnung und alte Gipsabgüsse bekannt. Anhand dieses Bildnisses wurde es möglich, eine Reihe weiterer Kopien als Karneades-Bildnisse zu identifizieren.
 
Sie zeigen den Philosophen als nachdenklichen aber ruhigen, würdigen älteren Mann. Die Stirn über den hochgezogenen Brauen ist in gleichmäßig geschwungene horizontale Falten gelegt.
 
Die schon etwas schütteren Haare und der Bart sind kurz geschnitten, und sorgfältig frisiert. Dadurch setzt sich das Porträt des Karneades von dem des Chrysippos ab, der mit ungepflegter Haartracht und konzentriert zusammengezogenen Brauen dargestellt wurde. Ebenso bezeichnend ist, dass Karneades mit Untergewand und Mantel porträtiert wurde, während Chrysippos und andere Vertreter strengerer philosophischer Richtungen auf ein Untergewand verzichteten.
 
 Sammlung  E-learning  Quellen  Literatur
 
 
 
Gisela M. A. Richter: The Portraits Of The Greeks. Abridged Edition. Phaidon Press Limited, Oxford, 1984, S. 152ff.
Der neue Pauly: Enzyklopädie der Antike, Band 6, Metzler, Stuttgart, 1998