Metrodor
 
Metrodor war ein Schüler Epikurs und Freund Hermarchs − die Ähnlichkeit ihrer Porträts verweist auf ihre Verbundenheit.
 
Büste des Metrodor von Doppelherme
Zur Person
 
Metrodor wurde um 330 v. Chr. in Lampsakos geboren. Er war bei einer Begegnung mit Epikur von dessen Lehre beeindruckt, folgte ihm nach Athen und wurde zu seinem Schüler. Gleichzeitig entwickelte sich zwischen beiden eine tiefe Freundschaft: Metrodor soll laut Überlieferung von seinem Lehrer immer nur für kurze Zeit getrennt gewesen sein und sogar seinen Sohn nach dem Meister benannt haben. Von Metrodors Schriften, u.a. "Über Reichtum", "Gegen die Dialektikerein Vertreter der Dialektik (="Kunst der Unterredung"); die Dialektik bezeichnet die Logik des Widerspruchs oder die Methode des Philosophierens unter Berücksichtigung kritischer Gegensätze.", "Gegen die Sophistengriechische Philosophen des 5./4. Jahrhunderts, die als bezahlte Lehrer Philosophie, Staatskunde, Literatur und v.a. Rhetorik im Hinblick auf den praktischen Nutzen unterrichteten. Sie vertraten eine Schulrichtung, die den Zweifel zum Denkprinzip erhob und keine absolute Wahrheit anerkannte. Sokrates war ihr größter Kritiker.", sind nur Bruchstücke erhalten. Der Philosoph starb vor seinem Meister Epikur im Jahre 277 v. Chr. in Athen.
 
Zum Bild des Metrodor in der antiken Literatur
 
In antiken Quellen überliefert ist ein Denkmal des Metrodor sowie seines Lehrers Epikur und seines Freundes Hermarch, das im Garten der Schule von Mitgliedern bald nach dem Tod der Philosophen aufgestellt wurde.
 
Metrodor. Rekonstruktion Göttingen
Bildnisbüste des Metrodor
Beobachtungen zum Porträt
 
Das Porträt des Metrodor konnte identifiziert werden, weil es eine Namensaufschrift auf einer DoppelhermePfeiler mit vierseitigem Schaft als Träger von zwei in entgegengesetzte Richtung blickenden Porträtköpfen. gibt, deren andere Hälfte ein Porträt des Epikur bildet.
 
Dieser Porträttypus konnte in Göttingen im GipsabgussAbdruck eines Originals und anschließende Ausformung aus einer Negativform in Gips. mit einem Statuenkörper verbunden werden: Der Mantel auf den Schultern einiger nur als Büsten gearbeiteter Porträts stimmt in der Lage und Form der Falten genau mit dem Mantel auf der Schulter der Statue überein. Beim Einsetzen des Kopfes in die Statue setzt sich also der Mantel vom Büstenausschnitt weiter unten nahtlos fort. Metrodor sitzt entspannt auf einem Lehnstuhl und ist in einen Mantel ohne Untergewand gehüllt. Seine Haltung ist ähnlich wie die der Statue Epikurs, doch ist sein Stuhl nicht so reich verziert wie der seines Meisters; dadurch wird deutlich, dass Metrodor im Rang hinter Epikur zurücksteht.
 
Metrodor hält eine halb geöffnete Buchrolle auf seinem Schoß, sein linker Arm ist angewinkelt und war zum Kinn geführt.
 
Der Körper Metrodors ist deutlich als der eines alten Mannes gekennzeichnet; die Knochen drücken sich zwischen schlaffen Muskeln heraus.
 
Dem Bildhauer, der die Büste in Rom arbeitete, gefielen diese Alterszüge offenbar nicht: Er glättete und verjüngte die Brustpartie seiner Büste. Darum passen Büste und Statue in der Rekonstruktion an dieser Stelle nicht genau aneinander; am Büstenrand bildet sich eine Stufe, wo ihre prallen Formen auf die schlaffen Formen der Statue stoßen.
 
Der Porträtkopf Metrodors ähnelt dem des Epikur; er trägt ebenfalls schön onduliertesmit einer Brennschere gewellt. Haar und Bart. Der Bart ist allerdings kürzer und das Gesicht breiter. Metrodors Gesichtsausdruck ist ähnlich abgeklärt wie die Mienen der anderen Epikureer; er scheint in Gedanken verloren. Damit verkörpert er wohl das epikureische Ideal des schmerzfreien Genusses und der Seelenruhe.
 
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Gisela M. A. Richter: The Portraits Of The Greeks. Abridged Edition. Phaidon Press Limited, Oxford, 1984, S. 164ff.
Der neue Pauly: Enzyklopädie der Antike, Band 7, Metzler, Stuttgart, 1998