Antike Porträts sind seit langem ein Schwerpunkt der archäologischen Forschung; die deutschsprachige Literatur ist besonders umfangreich. In den letzten Jahrzehnten ist die Forschung intensiviert worden; zahlreiche Einzeluntersuchungen, neue Funde und Ergebnisse wurden publiziert, die das Bild vom antiken Porträt entschieden verändert haben. Doch fehlt bisher noch eine Einführung für Studierende, um einen Überblick über die Ergebnisse der neueren Forschung zu geben.
 
Das hier präsentierte Lernprogramm kann kein Ersatz für ein Handbuch sein, in dem die Materie erschöpfend präsentiert wird. Vielmehr sollen − ausgehend von den Beständen der Göttinger Sammlung − exemplarisch Gegenstände und Fragen der Forschung zum antiken Porträt vorgestellt werden. Die Erforschung antiker Porträts wird im Archäologischen Institut der Universität Göttingen seit langem intensiv betrieben. Demzufolge sind antike Porträts auch ein Schwerpunkt der Sammlung von Gipsabgüssen antiker Skulptur. Die Auswahl der Abgüsse reflektiert die sich wandelnden Interessen der Porträtforschung bis hin zu aktuellen Fragestellungen. Die Denkmäler der Göttinger Sammlung bieten darum vielfältige Anknüpfungspunkte zur weiteren Beschäftigung mit antiken Porträts.
 
− In der Einleitung wird ein Überblick über weit verbreitete Ansichten zum antiken Porträt gegeben, um dann einen Zugang zu den Fragen und Methoden der archäologischen Forschung zu finden.
 
− Im Abschnitt Grundlagen & Methoden wird ein Überblick über verschiedene Erscheinungsformen antiker Porträts gegeben. In mehreren Kapiteln werden griechische und römische Porträts gegenübergestellt, vor allem mit Blick auf ihre historischen Besonderheiten. In anderen Kapiteln werden Methoden der Dokumentation, Klassifizierung und Analyse antiker Porträts vorgestellt, die gewissermaßen das Handwerkszeug der Porträtforschung ausmachen.
 
− In der griechischen Antike, von der archaischer bis hellenistischer Zeit, fanden einige der interessantesten Entwicklungen der Porträtkunst statt, insbesondere die Einführung von Individualporträts. Trotz der lückenhaften Überlieferungslage ergibt sich ein facettenreiches Gesamtbild.
 
− Die verhältnismäßig reiche Überlieferung der Porträts aus römischer Zeit erlaubt die Untersuchung von Fragen, die bis in Details der Verwendung, Ikonographie und Bedeutung römischer Porträts gehen. Die Kombination verschiedener Aspekte führt zu differenzierten Bildaussagen, die römische Porträts zu wichtigen Quellen für ein historisches Verständnis der Epoche machen.
 
− Römische Kaiserporträts sind die Leitgattung des römischen Porträts und darüber hinaus der antiken Kunst. Ihre weite Verbreitung in Skulpturen und Münzbildern erlaubt es, sie vom Beginn der Kaiserzeit bis in die Spätantike lückenlos zu verfolgen. Dieser Abschnitt gibt einen vollständigen Überblick über die Porträts aller römischen Kaiser.
 
Die hier präsentierte Einführung in das Thema "Antike Porträts" soll Studierenden und anderen an der Porträtforschung Interessierten einen Einstieg in die Materie erleichtern, sie ersetzt in einzelnen Fragen nicht das Studium der Quellen und Spezialliteratur, auf die ausdrücklich verwiesen wird − dieser Bereich ist noch im Aufbau. Griechische Quellen können im laufenden Text nur in Umschrift wiedergegeben werden, der originale Wortlaut erscheint auf Klick in einem ausdruckbaren Fenster.